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Das letzte schwere Gefecht im Mühlviertel

In Gramastetten stellten sich SS-Truppen noch Anfang Mai gegen die anrückende US-Armee.

Gramastetten: Brände löschen nach dem Artillerieduell   Bild: (Rechberger)

Es war eines der letzten schweren Gefechte in Oberösterreich und das letzte im Mühlviertel: In Gramastetten hatten sich Anfang Mai Kräfte des 3. SS-Panzergrenadier- und Ausbildungsbataillons verschanzt, um den Vormarsch der US-Verbände auf Linz zu stoppen. Mit Flugblättern forderten die anrückenden US-Truppen den Bürgermeister zur kampflosen Übergabe des Ortes auf. „Sie haben die Wahl: Übergabe und Schonung Ihrer Ortschaft – oder Widerstand und Vernichtung“, stand darauf zu lesen.

Die Bereitschaft zur Kapitulation war in der Bevölkerung groß, der Pfarrer wollte auf dem Kirchturm eine weiße Fahne hissen, die deutschen Einheiten wurden inständig gebeten, keinen Widerstand zu leisten. Doch die SS-Kommandeure untersagten eine Aufgabe und ordneten an, dass die Bewohner in den Kellern Schutz suchen sollten.

Artilleriebeschuss

Im dritten Band des Gramastettner Heimatbuches („900 Jahre Gramastetten“), 2011 herausgegeben bzw. verfasst von Thomas Schwierz, Herbert Ginterseder, Herbert Rechberger und Adolf Lehner, werden die turbulenten und tragischen letzten Kriegstage für Gramastetten detailliert beschrieben: Am Abend des 3. Mai 1945 nahm die US-Artillerie den Ort unter Beschuss, vom Norden her rückten amerikanische Panzer vor.

Soldaten der SS hatten sich in Häusern verschanzt und leisteten anfangs Widerstand. Doch als sich die deutschen Truppen über Lichtenberg, Eidenberg und die Gis zurückzogen, schien der Kampf gegen 23 Uhr vorbei. Ein großer Teil der Bevölkerung hatte im Pfarrhofkeller Schutz gesucht, der nun den GIs geöffnet wurde. Die Pfarrchronik beschreibt den Moment: „Im Herzen froh, dass nun der Kampf aus sei und die Amerikaner da sind, verließen wir den Keller.“

Doch in den frühen Morgenstunden des 4. Mai 1945 wurde Gramastetten wieder unter Beschuss genommen, diesmal von den letzten Resten der deutschen Artillerie und Flak, die von Türkstetten, Mühlberg und Lichtenberg das Feuer eröffneten. „Sofort ging ein wildes Artillerieduell los, das uns alle sofort in die Keller trieb“, hieß es in der Pfarrchronik. Mehrere Häuser wurden in Schutt und Asche gelegt, auf beiden Seiten gab es in diesem letzten Gefecht noch Tote. Ein erst 17-jähriger SS-Soldat hatte sich in der Nähe von Gramastetten versteckt – bereit, bis zum Schluss Widerstand zu leisten: US-Soldaten erschossen ihn in einem Kornfeld.

Der Kampf endete am Vormittag des 5. Mai. Wenig später ging ein Gerücht durch den Ort: Auch Linz seien die Amerikaner nun einmarschiert.

 

Das geschah am 5. Mai 1945

Prag: Die Alliierten stehen Anfang Mai unmittelbar vor der tschechischen Hauptstadt. SS-Obergruppenführer und Polizeichef Karl Hermann Frank droht im Falle eines Aufstandes „ein Meer von Blut“ an. Dennoch erheben sich am 5. Mai tschechische Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung. Am 8. Mai zieht die Wehrmacht ab.

Steyr: Der Vormarsch der 71. US-Division geschieht nahezu ohne Gegenwehr, kampflos überquert man die Traun und rückt bis Steyr vor. Die 65. US-Division marschiert unterdessen kampflos in Enns ein und erreicht damit die zwischen den USA und der Sowjetunion vereinbarte Demarkationslinie.

Wien: Die sowjetischen Militärbehörden übergeben der provisorischen österreichischen Regierung 100 Lastkraft- und Personenwagen. Dadurch soll die Versorgung der Bevölkerung erleichtert werden.

 

 

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Artikel Wolfgang Braun 05. Mai 2015 - 00:04 Uhr
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