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Als Oberösterreich kurz zwei Millionen Einwohner hatte

LINZ. In den Wochen nach Kriegsende beherbergte Oberösterreich eine Rekordzahl an Flüchtlingen; es war ein ständiges Kommen und Gehen.

Als Oberösterreich kurz zwei Millionen Einwohner hatte

Notunterkunft in Linz (Bild von 1947): Flüchtlingsströme nach und durch Oberösterreich Bild: (Archiv der Stadt Linz)

Von Osten strömten Wehrmachtssoldaten über die Enns in die amerikanische Besatzungszone in Oberösterreich; sie wollten nicht in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten. Auf rund 600.000 schätzt die Landeschronik Oberösterreich ihre Zahl.

Im Land selbst brauchten von den Nationalsozialisten nach Österreich verschleppte Zwangsarbeiter eine Bleibe, ebenso wie befreite Häftlinge aus dem Konzentrationslager Mauthausen und seinen Außenlagern. Viele jüdische Flüchtlinge aus ganz Europa, die im Holocaust einen Großteil ihrer Familien verloren hatten, hofften auf eine Ausreise nach Palästina/Israel.

Nach einer neuen Existenzgrundlage suchten zudem hunderttausende geflüchtete und vertriebene Deutschstämmige (aus dem Sudetenland, Siebenbürgen, dem Banat usw.).

Oberösterreich war in den ersten Wochen nach der Befreiung ein Flüchtlingsland. Der Historiker Harry Slapnicka schätzte, dass in den ersten Friedenswochen 1945 zu den rund 950.000 einheimischen Einwohnern Oberösterreichs mehr als eine Million Menschen aus 25 Nationen kamen, die eine neue Heimat suchten oder in ihre alte Heimat zurückwollten bzw. mussten.

„Displaced Persons“ (DPs) nannten die Amerikaner sie. Für die meisten war Oberösterreich nur Zwischenstation – etliche aber blieben auch. Nach Zählungen des Innenministeriums gab es zu Jahresbeginn 1948 rund 180.000 DPs in Oberösterreich.

Barock- oder Barackenstadt?

Viele, die hier ein neues Zuhause fanden, trugen zur Wirtschaftsentwicklung des Landes maßgeblich bei. Die Firmen Fronius, Silhouette oder Engel – sie wurden von Heimatvertriebenen aus Siebenbürgen, dem Sudetenland oder der jugoslawischen Batschka (Donauschwaben) gegründet.

Als Unterkunft für DPs diente zunächst alles, was verfügbar war: Gartenhütten, leere Fabrikhallen, neue sowie noch von den Nazis für Zwangsarbeiter errichtete Barackensiedlungen. Oft jahrelang. Linz sei von einer „Barockstadt zur Barackenstadt“ geworden, sollte Nachkriegsbürgermeister Ernst Koref einmal klagen.

Anfang der 50er-Jahre lag die Einwohnerzahl Oberösterreichs bei rund 1,1 Millionen – ein Zuwachs trotz der dazwischen liegenden Kriegsjahre: 1934 etwa hatte Oberösterreich nur 900.000 Einwohnergezählt.

Sprunghaft gestiegen war die Einwohnerzahl von Linz: 1934 lebten 115.000 Menschen in der Landeshauptstadt, 1951 waren es 184.000. Der Zuzug hatte schon mit der starken Industrialisierung unter den Nazis begonnen - dazu kamen Eingemeindungen.

Heute leben 1,42 Millionen Menschen in Oberösterreich, Linz zählt 194.000 Einwohner. Die Entwicklung des Landes seit 1945 sowie ein Ausblick auf die nächsten Jahrzehnte wird heute auch Teil der Gedenkveranstaltung „70 Jahre Kriegsende“ im Linzer Musiktheater sein.

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Artikel Markus Staudinger 08. Mai 2015 - 00:04 Uhr
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