Damals/Vor 100 Jahren

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Zweites Vatikanum: Ein Konzil der Öffnung und der Konflikte

"Ökumenisches Konzil feierlich beendet" lautete die Schlagzeile auf Seite 1 der OÖNachrichten am 9. Dezember 1965.

Von Josef Achleitner, 07. Dezember 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Noch einmal hatten sich am Tag zuvor die 2500 Konzilsväter (stimmberechtigte Bischöfe und Äbte) sowie 90 Delegationen aus aller Welt den Tausenden auf dem Petersplatz in Rom versammelten Katholiken gezeigt. Papst Paul VI. wurde auf der "Sedia Gestata", dem die Menge überragenden Tragsessel, zur Schlusspredigt gebracht.

Paul VI. übernahm die Konzilsführung von seinem Vorgänger  
Bild: Diözese Linz

Paul VI. übernahm die Konzilsführung von seinem Vorgänger

 

Drei Jahre lang hatten Kardinäle, Bischöfe und Experten über die Details dessen beratschlagt, was Konzils-Initiator Papst Johannes XXIII. als "Aggiornamento", als Versöhnung der Kirche mit der modernen Welt, angeordnet und womit er große Aufbruchstimmung erzeugt hatte. Gleichzeitig hatte er aber auch Ängste in der Kurie und bei traditionell gesinnten Kirchenoberen um die "wahre Lehre" ausgelöst.

Die Abschlussfeier war ebenso ein globales Medienereignis wie 1962 die Eröffnungsprozession und die erste Sitzung des Zweiten Vatikanums, wie das Konzil heute gängig genannt wird. Doch der Aufbruch und der forsche Auftritt europäischer und amerikanischer Bischöfe unter Johannes XXIII. hatten die Kurie (quasi die Regierung der Kirche) verhärmt, waren doch ihre vorgefertigten und zu großen Fortschritt bremsenden Vorschläge von der wachsenden Mehrheit der Bischöfe durch eigene, weitergehende überstimmt worden. "Die gegensätzlichen Meinungen prallten hart aufeinander", schrieb unser damaliger Rom-Korrespondent.

Papst Johannes XXIII., Initiator des Zweiten Vatikanischen Konzils  
Bild: Diözese Linz

Papst Johannes XXIII., Initiator des Zweiten Vatikanischen Konzils

 

Und er berichtete, dass Paul VI. gegen Ende eingriff: So wollte er im Kapitel über Ehe und Familie, dass Eheleute alles der Fortpflanzung unterordnen, auch die eheliche Liebe. Mittel zur Geburtenregelung müssten unmissverständlich verurteilt werden, Letzteres ging später als Pillenenzyklika in die Geschichte ein. Und es müsse auf frühere Verurteilungen von Kommunismus und Atheismus durch die Kirche hingewiesen werden.

Heutiger im Vergleich zu vorher wurde die katholische Kirche dennoch: Die freie Wahl der Religion nach dem Gewissen wurde akzeptiert. Mit Orthodoxen und Protestanten wurde der ökumenische Dialog dekretiert und die Aussöhnung mit Judentum und Islam als Ziel definiert.

Deutlich merkbar wurde der Konzilsaufbruch in den Messen: Man musste nicht mehr Latein können, um zu verstehen, was gesagt wurde. Der Pfarrer stand bald nicht mehr mit dem Rücken zum Volk am Hochaltar, sondern ihm zugewandt am Volksaltar. Die Beteiligung von Nicht-Priestern war erwünscht, auch in der Pfarrorganisation sollten sie mitreden können.

Einer der Pioniere auf diesem Weg, auch beim Konzil, war der Linzer Bischof Franz Zauner: Er hatte schon ein Jahrzehnt zuvor eine Messe auf Deutsch gehalten und dafür eine scharfe Rüge aus Rom bekommen.

Originalseiten der OÖNachrichten:



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