Damals/Vor 100 Jahren

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Der künftige Linzer Bischof Manfred Scheuer Bild: (APA)

Warum die Bundesregierung die Ernennung eines Bischofs „absegnen“ muss

Der Ministerrat hat die Ernennung von Manfred Scheuer zum Linzer Diözesanbischof bereits abgesegnet“, war vergangene Woche in den OÖNachrichten zu lesen.

Von Josef Achleitner, 23. November 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

So mancher Leser wird sich gefragt haben, was denn eine Bundesregierung in Österreich bei der Bestellung eines katholischen Bischofs abzusegnen hat. Nun, es handelt sich bei dieser Regelung um ein heute nur noch formal gültiges Relikt aus dem Konkordat (Staatskirchenvertrag) zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl, das, bis 1933 verhandelt, gleichzeitig mit der neuen Verfassung des autoritären Ständestaats wirksam wurde. Darin ist festgelegt, dass sich die Kirche verpflichtet, vor Ernennung von Erzbischöfen und Bischöfen der Regierung die Kandidaten bekanntzugeben. Die Regierung kann dagegen „Gründe allgemein politischer Natur“ geltend machen. Gibt es Einwände, soll Einvernehmen hergestellt werden. Der Papst bleibt letztlich bei der Entscheidung frei.

Das Konkordat blieb nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1957 eines der größten Konfliktthemen zwischen ÖVP und SPÖ. Sozialisten der älteren Generation wie der Vizekanzler und spätere Bundespräsident Adolf Schärf wollten diesem Vertrag aus der Dollfuss-Diktatur nicht wieder Gültigkeit verschaffen. Schließlich hatte die Kirche das Regime mitgetragen, von ihm profitiert, war auch günstig zu beschlagnahmten roten Parteihäusern und Betrieben gekommen.

Die nächste Generation der SPÖ mit Bruno Pittermann und dem späteren Kanzler Bruno Kreisky wollte die Versöhnung mit der Kirche und den Katholiken. 1960 erhielt das Konkordat mit Zusatzverträgen wieder Rechtskraft. Vom NS-Regime konfisziertes Vermögen, Güter und Gründe wurden restituiert. Der Staat finanziert die Personalkosten kirchlicher Bildungeinrichtungen, die Kirchenführung hat dabei die volle Entscheidungsmacht. Der Vatikan anerkannte dafür das staatliche Eherecht als allein gültig.

So versöhnlich war „Seine Apostolische Majestät“ Kaiser Franz Joseph Jahrzehnte zuvor nicht. Er wollte den Favoriten bei der Papstwahl 1903, Kardinalstaatssekretär Mariano Rampallo, verhindern. Dieser war dem Kaiser zu frankreichfreundlich und zu sehr gegen den Dreibund Österreichs mit dem Deutschen Reich und dem geeinten Italien eingestellt. Dazu holte sich der Herrscher den Krakauer Kardinal Jan Puzyna – dieser heutige Teil Polens gehörte zu Österreich-Ungarn – und beauftragte ihn, in seinem Namen ein „Veto exclusio“ gegen Rampallo einzulegen. Dieses Recht der Ablehnung nahmen sich die katholischen Herrscher von Spanien, Frankreich und Österreich seit dem 16. Jahrhundert heraus. Rampallo verlor, nicht nur deswegen, die Wahl.

Papst wurde der österreichfreundliche Erzbischof von Venedig, der sich Pius X. nannte und Kardinälen ab sofort bei sonstiger Exkommunikation verbot, künftig solche Weisungen von weltlicher Seite anzunehmen.

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