Damals/Vor 100 Jahren

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Vor 60 Jahren wurde in Rom der Grundstein für die heutige EU gelegt

Bild: VOLKER WEIHBOLD

Vor 60 Jahren wurde in Rom der Grundstein für die heutige EU gelegt

20. März 2017 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

In der letzten Märzwoche des Jahres 1957 war man sich in Österreich keineswegs bewusst, für welchen in Europa noch nicht da gewesenen Einigungsprozess in Rom die Vertreter von Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreichs, Luxemburgs und der Niederlande mit ihrer Unterschrift den Grundstein gelegt haben.

Die Oberösterreichischen Nachrichten berichteten vor dem Ereignis von den deutschen Ängsten vor dem in den "Römischen Verträgen" fixierten gemeinsamen europäischen Markt (EWG), weil Zölle und Preise durch die Angleichung steigen könnten. Nachher berichteten die Kollegen auf Seite eins knapp und ohne Kommentar über das "bedeutsame Ereignis". Die erst zwölf Jahre alte Zweite Republik Österreich war damit beschäftigt, den ersten Verteidigungsplan für das junge Bundesheer zu erstellen. In Ungarn blickten die Revolutionäre des Vorjahres in Schauprozessen ihrer Hinrichtung entgegen. Die OÖN präsentierten mit dem Rolls-Royce "Silver Wraith" den teuersten Wagen des Genfer Autosalons. 500.000 Schilling, nach heutiger Währung 36.400 Euro, hatte man hinzublättern. Ein zwei Jahre alter Mittelklasse-Opel Rekord wurde im Inserat um umgerechnet 2500 Euro angeboten. Kinorenner war der Zirkusfilm "Trapez" mit Burt Lancaster und Gina Lollobrigida – die "Lollo" stand mit Bild in den OÖN, weil sie im Linzer Parkhotel kurz Station machte, bei bescheidenen Bratwürsteln und Milch.

Kein Mensch hätte damals für möglich gehalten, dass aus dem mühsamen Kompromiss zur Wirtschaftsgemeinschaft eine Union vom Atlantik bis zur russischen, ukrainischen und türkischen Grenze werden könnte. Ein Ende des Ostblocks, dessen westliche Mitglieder bald in EU und NATO drängten, war in Zeiten des Kalten Krieges überhaupt unvorstellbar. Aus der EWG wurde die EG (Europäische Gemeinschaft) und schließlich die EU mit heute 28 Mitgliedern und fast einer halben Milliarde Menschen.

Wie 1957, als die Initiatoren Paul Henri Spaak (Belgien) und Walter Hallstein (Deutschland) fast mit ihrer Idee einer friedlichen Zukunft des Kontinents durch wirtschaftliche Verschmelzung an den Einwänden der protektionistischen Franzosen gescheitert wären, ist auch die heutige große EU ständig durch innere Konflikte gefährdet. Bisher ist sie jedoch aus jedem Streit gestärkt herausgekommen, wenn sie auch in vielen Ländern die Herzen der Bürger nicht erreicht hat. Auch für das gemeinsame Parlament in Straßburg und Brüssel wurde damals der Grundstein gelegt. Inzwischen hat es auch Macht, weil die Abgeordneten dem Budget zustimmen müssen. Kritisch gesehen wird, vor allem in Österreich, heutzutage EURATOM, der Atomvertrag, der damals als Garantie für eine erfolgreiche Zukunft galt.

Bilder und Originalseiten von damals auf nachrichten.at/damals

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