Damals/Vor 100 Jahren

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Vor 200 Jahren: Salzburg kam zu Österreich, Linz wurde seine Hauptstadt

Am 22. April wird es 200 Jahre her sein, dass der einst unabhängige, über Jahrhunderte von Erzbischöfen regierte Kirchenstaat Salzburg zu Österreich kam.

18. April 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

So stolz Österreich heute sein kann, diesen internationalen Kultur- und Touristen-Anziehungspunkt zu haben, so bitter waren die Anfangsjahre unter den Habsburgern für die Salzburger.

Der beim Wiener Kongress ausgemachten Übernahme Salzburgs durch Österreich waren chaotische Jahre vorausgegangen. Napoleons Truppen hatten im Jahr 1800 Salzburg eingenommen. Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo flüchtete nach Wien. Das Land wurde zuerst Kurfürstentum, 1810 schließlich den mit Napoleon verbündeten Bayern zugeschlagen. Nach dem Sturz des Korsen mussten die Bayern das Land abgeben, das vom einst mächtigen, durch Salz und Goldabbau reichen Kleinstaat mit der Hauptstadt als prächtigem Aushängeschild zum "Betteldorf mit leeren Palästen" wurde.

Die Residenzstadt Salzburg war keine mehr, sondern nur noch das Zentrum des Salzburgkreises im Erzherzogtum ob der Enns. Die Hauptstadt war nun Linz, dort waren auch die Landesverwaltung und die politische Führung angesiedelt. Post- und Telegraphendirektion sowie die Bundesbahndirektion erinnerten noch bis ins 20. Jahrhundert an die Dominanz von Linz, die Oberstaatsanwaltschaft für beide Länder sitzt noch heute hier.

Was für die hohe Geistlichkeit, Adel und Bürgertum demütigende Abwertung in den ersten österreichischen Jahrzehnten bedeutete, hieß für das einfache Volk Elend und Hunger. 1816 gab es in Salzburg den "Sommer ohne Sonne" und damit Missernten, die sich abgeschwächt vier Jahre lang hinzogen. Der bis dahin heftigste Vulkanausbruch auf der Welt in Indonesien hatte den Himmel auf Monate verdunkelt, die Vegetation brauchte Jahre, um sich zu erholen.

Die Stadt Salzburg verlor mit der Residenz ein Viertel ihrer Bevölkerung, das Land fiel vom wohlhabenden Bergbau- und Alpentransit-Zentrum in den Status einer von der Obrigkeit des riesigen Kaiserreiches kaum beachteten, kleinen und unselbständigen Provinz. Franzosen, Bayern und Habsburger hatten überdies die Schätze der Residenz außer Landes gebracht. Ein Teil davon, eine wertvolle Uhr, zeigt heute dem österreichischen Bundespräsidenten in seinen Amtsräumen der Hofburg in Wien die Zeit.

Mit den Initiativen des aus Tirol stammenden Advokaten und späteren oberösterreichischen Landesstaathalters Alois Fischer kam in den Jahren um das Revolutionsjahr 1848 der Umschwung. Salzburg wurde Kronland und bekam einige Jahre später auch eigene Landesbehörden. Rasanter wirtschaftlicher Aufschwung setzte mit dem Bau der Kaiserin Elisabeth-Westbahn ein, die Salzburg zum Knotenpunkt machte. In der Stadt löste die Auflassung der Festungsanlage einen Bauboom aus. Die heutige Festspielstadt konnte an ihre große Zeit anschließen.

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