Damals/Vor 100 Jahren

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Von den "braven und schneidigen" muslimischen Bosniaken

In den Berichten der Linzer "Tagespost" aus dem zweiten Kriegsjahr 1915 ist oft von den "braven und schneidigen" Bosniaken die Rede, die sich durch besondere Tapferkeit und Disziplin auszeichneten.

Von Josef Achleitner, 12. Januar 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Gemeint waren fast immer Muslime aus dem von Österreich annektierten Bosnien-Herzegowina, die in regulären Infanterietruppen vorwiegend an der Ostfront (etwa bei Lemberg in Galizien) oder am Isonzo gegen Italien eingesetzt waren. Es waren aber auch bosnische Kroaten, Serben und Juden darunter. Die Serben führten aber ungern Krieg gegen slawische Brüder und wurden nicht selten als "politisch verdächtig" interniert.

Die Bosniaken kämpften mit dem osmanischen Fes am Kopf und in traditioneller Uniform mit Pluderhose. Die Muslime durften sich nach ihren Regeln ernähren und zumindest in Friedenszeiten den Freitag einhalten. Sie wurden vor dem Krieg durch Los rekrutiert. Muslimische Seelsorger, Lehrer, Ärzte, Tierärzte und Apotheker waren ausgenommen. Im Krieg waren dann für die Seelsorge auch islamische Geistliche eingesetzt.

Die k. und k. Monarchie hatte zur Befriedung Bosniens die in Wirtschaft und Verwaltung dominierende Oberschicht der Muslime in ihrem Machtstatus belassen. Auch seltsame osmanische Bräuche wie den Freikauf vom dreijährigen Wehrdienst durch Geldleistung und Nominierung eines Ersatzrekkruten blieben unverändert.

Die "Tagespost" brachte 1915 unter der Rubrik "Feldpostbriefe" den Bericht einer Gruppe von Unteroffizieren vom in Friedenszeiten in Linz stationierten 2. Landsturm-Infanterieregiment über die Erstürmung des Brückenkopfes von Dobrotwar am Bug im Osten des Reiches. Die Korporäle Leopold Hofinger aus Ebensee, F. Pölmann aus St. Wolfgang und andere berichteten von den "schneidigen Dreier-Bosniaken" in diesem Scharmützel, mit denen sie vor dem endgültigen Erfolg zwei Tage "in treuer Kameradschaft im Schützengraben" gelegen waren. Vom Isonzo ist in einem Soldatenbrief über die "braven Bosniaken" die Rede, "die Hartes durchgemacht haben" und dennoch "zu Hilfe eilten, um den Feind von der Stellung zurückzuwerfen". Im August las man von "unseren Bosniaken, die – wie sich feindliche Infanterie zeigt – vor den Drahtverhau kriechen, wo sie die stürmenden Italiener erwarten und mit Kolben und Bajonetten abfangen".

Mit zunehmenden Verlusten an allen Fronten, Krankheiten ohne Versorgung und langen Hungerzeiten brach die Loyalität zur Führung in Wien langsam zusammen. Bosnische Quellen schreiben von Tausenden Soldaten aus ihrem Land, die halbverhungert und fieberkrank versuchten zu desertieren oder nur noch auf den Tod warteten. In Bosnien schätzt man die Zahl der Gefallenen auf bis zu 40.000.

Originalseiten der "Tages-Post" sehen Sie hier:



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„Aus einer Wahlrede des ehemaligen Oberleutnants Helmut Schmidt: „Als alter Kriegskamerad müsse ...“ laechler Zu den braven und schneidigen Bosniaken paßt

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