Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Der Kardinal als einflussreicher Teil des autoritären Dollfuß- und Schuschnigg-Regimes: Im Bild Innitzer mit Bundeskanzler Dollfuß, rechts Schuschnigg, in der Mitte Schuschniggs Sohn in der Uniform der Vaterländischen Front. Bild: Archiv

Theodor Innitzer: Der Kardinal, der sich mit Hitler arrangieren wollte

"Eine freie Kirche in einem freien Land", das war das Programm für die Zukunft der katholischen Kirche, das sich 1945 als Lehre aus der Vergangenheit, vor allem der jüngsten unter dem Naziregime, im Kopf des Wiener Erzbischofs Kardinal Theodor Innitzer festgesetzt hatte und das auch Realität wurde.

Von Josef Achleitner, 08. Juni 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Die Kirche zieht sich aus der Partei- und Tagespolitik sowie aus politischen Positionen zurück und konzentriert sich auf Seelsorge für Gläubige und Hilfe für Bedürftige.

Der Theologieprofessor Innitzer war Ende der 1920er Jahre Sozialminister in der christlichsozial-großdeutschen Koalition von Bundeskanzler Schober gewesen und hatte im katholisch-autoritären Ständestaat die Rolle eines geistlichen Führers innegehabt. Damit wurde er zur Hassfigur von Sozialdemokraten, Kommunisten, Deutschnationalen und Nationalsozialisten.

Im März 1938 dann der politische Sündenfall Innitzers. Obwohl er kurz zuvor noch Kanzler Kurt Schuschnigg die Unterstützung bei der (unter Druck abgesagten) Volksabstimmung gegen den Anschluss an Deutschland zugesichert hatte, schickte er, als die deutschen Truppen einmarschierten, Adolf Hitler ein Grußtelegramm, wonach die Glocken Wiens den Führer begrüßen würden. Daraufhin forderte der gebürtige Sudetendeutsche die Gläubigen auf, "Gott zu danken, dass sich die Revolution (gemeint war der Anschluss) vollzog, ohne dass ein Tropfen Blut vergossen wurde". Am 15. März empfing der Kardinal Hitler zur Audienz im Hotel "Imperial" und versicherte diesem, die Katholiken würden loyal zum neuen Staat stehen. Dass er dann noch eine feierliche Erklärung zum Anschluss mit "Heil Hitler" unterschrieb und die Katholiken aufforderte, für den Anschluss zu stimmen, brachte dem Kardinal internationale Empörung und einen Verweis durch Papst Pius XI. ein.

Die Empfehlung an die Gläubigen, nach dem Einmarsch Hitler-Deutschlands für den Anschluss zu stimmen, brachte Innitzer eine scharfe Rüge durch Papst Pius XI ein.  
Bild: Archiv

Wenige Monate später musste Innitzer erkennen, dass Hitlers Versprechen vom "religiösen Frühling" nur eine zynische Bemerkung war und die katholische Kirche (wie auch die evangelische) systematisch aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurde. Bei einer Jugendfeier der Katholischen Jugend, für die Innitzer ein "Umfaller" war, nahm sich der Kardinal unangekündigt das Wort und sagte vor 10.000 Zuhörern: "Unser Führer ist Jesus, Jesus ist unser Führer." Er rief zur Standhaftigkeit gegenüber den "gleißenden Worten" des Regimes auf.

Tags darauf zertrümmerten Hitlerjungen mehr als 1000 Fensterscheiben am Erzbischöflichen Palais, wollten, weil sie den Kardinal nicht fanden, dessen Weihbischof aus dem Fenster werfen. Wenig später zogen Braunhemden am Palais mit einer Kardinalspuppe am Galgen vorbei.

Innitzer blieb während des Kriegs still – kein lautes Wort gegen die Judenverfolgung –, verhalf aber mit einer Hilfsstelle Hunderten getauften und nicht getauften Juden oder sonstwie Verfolgten zur Ausreise und zum Überleben.

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