Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild
Blöchl Johann

Johann Blöchl als Landtagsabgeordneter vor 1938 Bild: Ausstellung Schlossmuseum Freistadt: Die Zivilverwaltung Mühlviertel und Johann Blöchl

Sowjetzone: Das Mühlviertel und das Phänomen Johann Blöchl

Mit 9. Juli 1945 wurde das Zonenabkommen der vier Hauptalliierten im Kampf gegen das Hitler-Regime – USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich – wirksam.

Von Josef Achleitner, 13. Juli 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

In den kaum einen Monat alten Oberösterreichischen Nachrichten war davon erst Wochen später zu lesen, sie standen noch unter Kontrolle der US-Besatzer. Das Land war nun für zehn Jahre geteilt und das Mühlviertel jahrelang nur nach Kontrollen erreichbar.

Die russische Kommandantur in Freistadt
Bild: OÖMuseumsverbund

Die Sowjets kontrollierten mit dem Mühlviertel, Niederösterreich und dem Burgenland die Grenzen Österreichs zu ihren späteren Satellitenstaaten Tschechoslowakei und Ungarn. Darüber hinaus verfügten sie über das gesamte Nordufer der Donau. Es wäre also nicht schwer gewesen, bei einem kommunistischen Umsturz diese Teile Österreichs dem späteren Ostblock einzuverleiben. Das erklärt wohl, warum die Sowjetbesatzer das wirtschaftlich damals wenig interessante Mühlviertel den Industrieregionen in der Steiermark sowie in und um Steyr vorzogen und diese den Amerikanern überließen. Bis August wechselten die US-Truppen und die Rotarmisten ihre Zonen. Die "Russen" richteten sich im Mühlviertel ein. Auf eine Weise, die bei den meisten Menschen Zorn und Abscheu auslösten.

Glückliche Umstände, mutige und schlaue Politiker sowie die deutlich antikommunistische Haltung der Österreicher haben eine dauerhafte Teilung Österreichs/Oberösterreichs verhindert.

Rotarmisten vor Abzug 1955
Bild: OÖLandesarchiv
Johann Blöchl als Landtag- sabgeordneter vor 1938
Bild: Ausstellung Schlossmuseum Freistadt: Die Zivilverwaltung Mühlviertel und Johann Blöchl

 

Die provisorische Staatsregierung unter Karl Renner (SPÖ) bestimmte im Einverständnis mit den Besatzern den 50-jährigen, von den Nazis mehrmals inhaftierten Landwirt und früheren christlichsozialen Landtagsabgeordneten Johann Blöchl aus Lasberg zum Staatsbeauftragten für das Mühlviertel und damit zum Leiter der Zivilverwaltung, die der Sowjetkommandantur unterstellt war. Im Oktober machte ihn die Landesregierung unter Heinrich Gleißner (ÖVP) zum Landesrat ohne Ressort, später zum Agrar-Landesrat. Damit war die Teilung zumindest in der Person des Verwalters aufgehoben.

Staatsbeauftragter für das Mühlviertel
Blöchl 1949 bei einem Erntedankfest in Freistadt, links Landeshauptmann Heinrich Gleißner
Bild: Ausstellung Schlossmuseum Freistadt: Die Zivilverwaltung Mühlviertel und Johann Blöchl

Blöchl gelang es, wie der Historiker und OÖNachrichten-Kolumnist Roman Sandgruber schreibt, zu den Besatzungsoffizieren ein Vertrauensverhältnis herzustellen und trotz seiner Weigerung, an deren Trinkgelagen teilzunehmen, mit Achtung behandelt zu werden. Das Wüten der Soldaten konnten die Proteste Blöchls nur langsam eindämmen. Allein von Mitte August bis Ende Dezember ‘45 haben Gendarmen 70 Morde im Mühlviertel protokolliert. Dazu kamen Dutzende angezeigte und viele aus Scham verschwiegene Vergewaltigungen, überdies Verschleppungen in sowjetische Arbeitslager.

Vom Aufschwung im Land, etwa mit dem Marshallplan, durch die kommunistische Besatzung weitgehend ausgeschlossen, konnte das Mühlviertel erst nach 1955 aufzuholen beginnen. Blöchl blieb noch bis 1966 Landesvize und einflussreicher ÖVP-Politiker. Er starb, als "Vater des Mühlviertels" hochgeehrt, 1987 mit 92 Jahren.

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