Damals/Vor 100 Jahren

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Schicksalswahlen 1945: Aufatmen nach der schweren Niederlage der KPÖ

Die Wahlen im November 1945, ein halbes Jahr nach Kriegsende, waren von den noch jungen demokratischen Zeitungen zu „Schicksalswahlen“ erklärt worden.

Von Josef Achleitner, 30. November 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Nicht zu Unrecht, denn die kommunistische Sowjetunion hielt den gesamten nördlich der Donau gelegenen Teil Österreichs besetzt und führte dort ein hartes Regime. Jenseits der Nordgrenze, in der wiedererstandenen Tschechoslowakei, hatten die Kommunisten mit 38 Prozent der Wählerstimmen die Führung übernommen und über Sowjet-Diktator Josef Stalin den nationalsozialen Staatspräsidenten Edvard Benes in der Hand. Würde Österreich durch die hiesige KPÖ auch schleichend kommunistisch werden, würde es wie in der deutschen Ostzone Beschlagnahmungen und Enteignungen von Privatbesitz sowie eine sozialistische Einheitspartei und Pressezensur geben?

Adolf Eigl, von der US-Besatzungsmacht eingesetzter erster Landeshauptmann 1945. Wurde mit mehreren seiner Landesräte wegen Verwicklung ins NS-System abgesetzt.

Adolf Eigl, von der US-Besatzungsmacht eingesetzter erster Landeshauptmann 1945. Wurde mit mehreren seiner Landesräte wegen Verwicklung ins NS-System abgesetzt.

Die Befürchtungen bewahrheiteten sich in Österreich nicht, ganz im Gegenteil: Die Kommunisten, die sich ein Drittel der Stimmen erhofft hatten, kamen nur auf fünf Prozent. Gewinner war zur Enttäuschung der SPÖ die Volkspartei mit 49,8 Prozent, was in Mandaten die absolute Mehrheit bedeutete. Die Sozialisten (gegründet als Zusammenschluss der Vorkriegs-Sozialdemokraten und der Revolutionären Sozialisten) kamen auf 44,6 Prozent.

Die „Oberösterreichischen Nachrichten“, damals vorübergehend als „Unabhängiges Tagblatt österreichischer Demokraten“ unter Aufsicht von ÖVP, SPÖ und KPÖ firmierend, zeigten sich hocherfreut über die Dominanz der traditionellen Lager, ohne die KPÖ negativ zu bewerten. „Österreich hat die Reifeprüfung als unabhängiger demokratischer Staat vor der Welt bestanden“, schrieb Leitartikler Franz Lettner. Leopold Figl, der designierte Kanzler, machte schon am zweiten Tag nach der Wahl klar, dass er die Absolute nicht zur Alleinregierung nützen, sondern alle drei gewählten Parteien der Größe nach in die Bundesregierung nehmen würde. Nicht nur wegen der Besatzungsmächte war eine Konzentrationsregierung angebracht, vor allem wegen des landesweiten Mangels, der vielen Zerstörungen und der im Wiederaufbau befindlichen politischen Strukturen.

Vizekanzler Adolf Schärf, Bundeskanzler Leopold Figl, der spätere Staatsvertragskanzler Julius Raab und SP-Minister Waldbrunner (v.l.)

Vizekanzler Adolf Schärf, Bundeskanzler Leopold Figl, der spätere Staatsvertragskanzler Julius Raab und SP-Minister Waldbrunner (v.l.)

VP-Kanzler Figl und SP-Vizekanzler Adolf Schärf sollten die Pioniere der Jahrzehnte dauernden Aufbau-Ära der großen Koalitionen werden. Die KPÖ stellte nach der Wahl nur noch einen Minister. In Oberösterreich ergab die Landtagswahl ein ähnliches Bild, mit dem Unterschied, dass die Kommunisten gar nicht in den Landtag kamen. In ihrem Besatzungsgebiet, dem Mühlviertel, erreichten sie nicht einmal ein Prozent. Die ÖVP mit dem einen Monat zuvor installierten Landeshauptmann Heinrich Gleißner dominierte mit 59,1 Prozent gegenüber 38,3 Prozent der SPÖ noch stärker, regiert wurde aber in Koalition.

Die Wahl war ein deutliches Zeichen des neuen Österreich. Einen Monat später sollte mit der Rückkehr zum Schilling als Währung ein weiteres gesetzt werden.

Figl bei seiner berühmten Weihnachtsrede 1945: „Ich kann euch nichts geben (…), wir haben nichts. Ich kann euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich“.

Figl bei seiner berühmten Weihnachtsrede 1945: „Ich kann euch nichts geben (…), wir haben nichts. Ich kann euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich“.

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