Damals/Vor 100 Jahren

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Mit Straßensperren und Barrikaden wollten kommunistische Streikorganisatoren den Verkehr stilllegen Bild: Archiv

Oktoberstreiks 1950: Arbeiteraufstand oder kommunistischer Putschversuch?

"Oberösterreich blieb an der Arbeit" hieß der Blattaufmacher in den "Oberösterreichischen Nachrichten" in der ersten Oktoberwoche 1950, mit "Schwarzer Tag für die KP" überschrieb Gustav Putz seinen Leitartikel.

Von Josef Achleitner, 19. Oktober 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Was passiert war, ist als kommunistischer Putschversuch durch einen Generalstreik in die österreichische Geschichte eingegangen, was von KPÖ-Seite von Anfang an bestritten worden ist.

Ende September hatten organisierte Arbeiter in oberösterreichischen Industriebetrieben ihrem Zorn über massive Preiserhöhungen durch das 4. Lohn- und Preisabkommen Luft verschafft. Vorerst teilweise mit Unterstützung sozialistischer Betriebsräte, der nationalliberalen VdU-Vertreter, später und vor allem in Wien federführend angetrieben durch kommunistische Belegschaftsvertreter und Parteifunktionäre.

Mit dem Abkommen wollte die schwarz-rote Regierung die grassierende Inflation dämpfen und das staatlich verwaltete Wirtschaftssystem Schritt für Schritt in eine Marktwirtschaft überführen. Der Preis waren vorerst Verluste für Konsumenten und Sparer, aber auch für die unter Kuratel gestellten Unternehmer.

Der ÖGB hatte dem Lohn- und Preisabkommen zugestimmt und wollte mit dem Streik nichts zu tun haben  
Bild: Archiv

 

 
Tausende Streikende vor dem Bundeskanzleramt in Wien.
Bild: Archiv

Am 26. September begannen in ganz Österreich Streiks. 120.000 Arbeiter beteiligten sich, 40.000 aus den von den Sowjets geführten USIA-Betrieben in der russischen Zone. In Linz waren 15.000 Demonstranten auf der Landstraße, zwangen dann vor dem Landhaus Landtagsabgeordnete, sich solidarisch zu erklären. Zwei Tage später legten sie die öffentlichen Verkehrsmittel lahm und belagerten das Haus der Arbeiterkammer. Dem damaligen AK-Präsidenten Heinrich Kandl drohte eine vom VdU geführte Delegation, er würde beim Fenster rausgeworfen, sollte er nicht zurücktreten. Er erklärte den Rücktritt in der Not, ohne sich daran zu halten. Mehr als 1000 Polizisten und Gendarmen waren in Linz zu den Streiks aufgeboten worden.

 
Mit Straßensperren und Barrikaden wollten kommunistische Streikorganisatoren den Verkehr stilllegen
Bild: Archiv

Tags darauf distanzierte sich nicht nur die Landesregierung ("eine provozierende Machenschaft politischer Renegaten"), auch die sozialistische Gewerkschaftsführung und die SPÖ sprachen von illegalem Vorgehen. Zum Generalstreik, den eine kommunistisch dominierte "Gesamtösterreichische Betriebsratskonferenz" angedroht hatte, kam es nicht mehr. Am 5. Oktober gab es noch vereinzelte Streiks, dann wurde es wieder still. In Wien wurde der Bau-Gewerkschaftsführer Franz Olah mit seinen Helfern berühmt, weil er die wütenden Rollkommandos der kommunistischen Streikenden zurückschlug. War es nun ein Putschversuch? Wissenschafter sehen zumindest wenig Beleg für sowjetische Beihilfe. Der kommunistische Nachkriegs-Kulturstadtrat von Wien, Viktor Matejka, sagte später aber, es habe sogar schon einen Kanzlerkandidaten der KP gegeben.

Franz Olah
Seine Aktionen gegen Rollkommandos der KP –Gewerkschafter machten den sozialistischen Baugewerkschaftsführer Franz Olah österreichweit bekannt. Hier ist er als späterer Innenminister in den 60-er Jahren zu sehen.  
Bild: APA

 

 

 

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