Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Der junge Dalai Lama versuchte vergeblich, mit Chinas Revolutionsführer Mao Tse-tung eine kulturelle Autonomie seines Landes zu verhandeln. Bild: Archiv

Mit 15 sollte der Dalai Lama Tibets Widerstand gegen China führen

Der Zweite Weltkrieg war gerade fünf Jahre vorbei, wieder herrschte Krieg.

Von Josef Achleitner, 27. Oktober 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
 
Als 15-Jähriger zum religiösen und weltlichen Führer bestimmt
Bild: Archiv

Diesmal ein Stellvertreterkrieg mit Hauptschauplatz Korea, eine gefährliche Konfrontation zwischen dem kommunistischen Osten und dem demokratischen Westen. China, seit einem Jahr unter Revolutionsführer Mao Tse-tung kommunistisch, wollte 1950 der Volksrepublik Nordkorea bei der Ausbreitung in den Süden helfen.

In Herbst dieses Jahres gelang den Chinesen an einem zweiten Schauplatz, von der internationalen Gemeinschaft nur mäßig beachtet, ein neuerlicher Schlag: die Annexion Tibets. Begünstigt wurde der Sieg der Volksbefreiungsarmee Chinas durch ein unvorbereitetes Heer und eine inkompetente Führung des von hochgestellten Mönchen und Adeligen geführten feudalen Tibet.

"Nach der Kapitulation des Heeres in den Grenzprovinzen marschieren die chinesischen Soldaten auf die Hauptstadt Lhasa zu", berichteten die OÖNachrichten. In diese Phase fiel die Entscheidung, den im Kleinkindesalter nach einem uralten Ritual als Reinkarnation des vorhergehenden Dalai Lama erkannten Tenzin Gyatso mit seinen 15 Jahren vorzeitig zum geistlichen und weltlichen Führer zu machen. Seine Funktion als 13. Dalai Lama, als "erleuchtetes Wesen" und "Schutzheiliger des Landes", sollte Führung und Volk zum Widerstand motivieren.

Tibets Klage vor der UNO gegen die Invasion wurde nur vom mittelamerikanischen El Salvador unterstützt, zu riskant schien den Westmächten eine neue Front gegenüber China neben dem Korea-Krieg. Überdies beanspruchte China seit Jahrhunderten die Souveränität über Tibet, was der Dalai Lama in einem Zwangsvertrag dann auch anerkennen musste. Die darin zugesagte kulturelle und religiöse Autonomie wich bald einem radikalen Umbruch der Gesellschaft, in der den Tibetern nicht mehr blieb als die Rolle der Betroffenen.

Tibets Armee vor der Hauptstadt Lhasa war gegen die monatelang vorbereiteten , zahlen- und ausrüstungsmäßig weit überlegenen chinesischen Truppen chancenlos.  
Bild: Archiv

Die als "friedvolle Befreiung Tibets" gefeierte Revolution bedeutete das Ende der religiösen und sozialen Strukturen oder, wie man in Chinas Schulen heute noch lernt, eines feudalen Unterdrückungsregimes. Versuche des Dalai Lama, mit Mao Tse-tung eine Autonomie und die Erhaltung des religiösen Lebens zu erreichen, scheiterten. Unruhen und Aufstände folgten. Nach der Emigration des Dalai Lama nach Indien, der Drohungen aus Peking vorausgegangen waren, kam es in der Kulturrevolution zu Exzessen der Revolutionsgarden, der Zehntausende Menschen und 80 Prozent der Tausenden religiösen Stätten zum Opfer fielen.

Chinesische Truppen beim Einmarsch in Lhasa im Herbst 1950  
Bild: Archiv

Seither versucht der Dalai Lama vom indischen Dharamsala aus, in aller Welt für den gewaltfreien Widerstand in Tibet zu werben. Sehr zum Unwillen Pekings hat er damit in der westlichen Welt Erfolg. Tibeter dürfen hingegen nicht einmal ein Bild von ihm besitzen.

Chinas tatsächliche und/oder gewollte Einflusssphären in Südostasien. Die Tibeter leben in einem kleine Teil des alten Tibet und sind dort auf dem Weg, eine Minderheit zu werden.  
Bild: Archiv

 

 

 

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