Damals/Vor 100 Jahren

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US-General Mark Clark und Bundeskanzler Leopold Figl unterzeichnen am 16. Juni 1946 die feierliche Übergabe der Voest an die Republik Österreich Bild: Archiv

Ludwig Pallestrong, der heimliche Voest-Generaldirektor nach dem Krieg

Heute wird im Urnenhain in Linz-Urfahr Ludwig Pallestrong beigesetzt, der in der Vorwoche im gesegneten Alter von 97 Jahren gestorben ist.

Von Josef Achleitner, 21. März 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
Ludwig Pallestrong, der „heimliche Voest-Generaldirektor“ nach dem Krieg

In den vergangenen Jahrzehnten war es in der Öffentlichkeit still geworden um den eleganten Mann mit dem aus dem Trientinisch-Südtirolerischen, also Altösterreichischen, stammenden Familiennamen.

Dabei hätte der gebürtige Innsbrucker Pallestrong, gälte es eine Ehrengalerie des oberösterreichischen Wiederaufbaus zu erstellen, ohne Zweifel einen Fixplatz.

1945 waren die Hermann-Göring-Werke zu einem guten Teil zerbombt. Die US-Besatzer beschlagnahmten die Werke als "Deutsches Eigentum" und setzten häufig wechselnde Verwalter in dem nun Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke (VÖEST) genannten Konzern ein. Kein Wunder, die frühere Werksführung war NS- belastet, teils auch in der SS tätig gewesen. Und es war keineswegs ausgemacht, dass die Anlagen bestehen blieben.

Da schlug die Stunde der Männer um Ludwig Pallestrong. Die Arbeiter begannen den Schutt aufzuräumen und die noch reparablen Hallen notdürftig zu flicken. Pallestrong kümmerte sich als Vorarbeiter darum, dass das verwüstete Gaskraftwerk in Gang kam, eine Voraussetzung für den weiteren Werksbetrieb. "Vom einfachsten Hilfsarbeiter bis zum Ingenieur" hätten alle, trotz bitterem Hunger, angepackt und das Werk zum Funktionieren gebracht, erzählte Pallestrong Jahre danach. "Wir haben das Werk selbst wieder aufgebaut", bilanzierte er. Von daher rührt wohl auch die starke Identifikation der Voestler mit ihrem Werk.

Massive Schäden in den Werken durch Bombenangriffe

Dem organisatorisch begabten Vorarbeiter kam bald eine führende Rolle zu. Pallestrong hielt Kontakt mit den Politikern, in Oberösterreich vor allem mit dem Linzer Bürgermeister Ernst Koref (SPÖ) und mit Landeshauptmann Heinrich Gleißner (ÖVP) und mit dem US-Oberkommandierenden General Mark Clark. Weil kein Geld da war, verpfändete Pallestrong Eisenblöcke und Maschinen, um Kredite zu bekommen. Mit der Reparatur zerstörter Brücken und Waggons und dem Bau von Agrarmaschinen kamen erste Einnahmen. "Ich war damals fast ein Generaldirektor", erzählte Pallestrong. Für Heribert Apfalter, den Voest-Chef der 80er-Jahre, war er jedenfalls "der heimliche Generaldirektor der Nachkriegsjahre". Im Dezember 1945 wurde Pallestrong zum ersten Hauptbetriebsrat gewählt.

Er war es auch, der für die VÖEST sprach, als der Konzern im Juli 1946 treuhändisch an die Republik Österreich übergeben wurde. Die "Oberösterreichischen Nachrichten", die dem bejubelten Ereignis große Berichte widmeten, zitierten nach den Reden von General Clark und Kanzler Figl auch jene von Pallestrong: "Ihr Entschluss, Herr General, ist für uns erst der eigentliche Beginn des neuen Österreich, denn kein Staat kann leben, wenn nicht seine Arbeiter Brot haben."

Originalseiten vom 16. & 17. Juli 1946 (PDF):



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