Damals/Vor 100 Jahren

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Letzter großer Fasching vor den Jahren des Elends

Die Zeichen eines großen Konflikts standen im Februar 1914 schon an der Wand.

17. Februar 2014 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Militärische Aufrüstung rund um Österreich-Ungarn, Kriegslust in der Führung der Armee, ideologische Verhärtung zwischen den Deutschen (so nannte man die Deutschsprachigen in der Monarchie), Tschechen, Italienern und Slawen, massive soziale Probleme und politisches Erwachen der armen Bevölkerung.

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Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – wurde der letzte Fasching vor den Jahren von Krieg und Elend so groß und ausgelassen gefeiert wie schon lange nicht. Mitte Februar konnte die Linzer "Tagespost" nach dem Ende des mehrwöchigen Druckerstreiks wieder täglich erscheinen. Der "Linzer Karneval" bekam dabei zunehmend mehr Platz. Geradezu in Serie berichteten die Kollegen über das Großvorhaben des Sängerbundes "Frohsinn", genannt "Ein Parkfest des Serenissimus". Stattgefunden hat das aufwändige Fest in den heut nicht mehr existierenden Volksgartensälen. Serenissimus war eine von den damals populären Witzblättern erfundene Figur, der vertrottelte Fürst eines Mini-Staates. Er verlieh Scherzorden und hielt verdrehte Reden. Den Witz nahm die Figur auch aus dem Gegensatz zu dem viel gescheiteren Adlatus Biedermann. Man scheute keine Mühen und Kosten: Die Dekorationsmalereien mit Scherzmotiven entstanden unter der Leitung akademischer Maler, im Ballkomitee saßen prominente Stadt- und Landespolitiker.

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In Steyr veranstaltete ein Komitee unter dem Druckereibesitzer Drakowsal einen Faschingsumzug mit fast 50 Gruppen. Zuschauer, die schlechte Sicht auf die Teilnehmer hatten, konnten sich in den Häusern entlang des Zugs gegen eine Spende Fenster mieten. Die Plakate für das Fest hatte der Stahlschnitt-Künstler Hans Gerstmayr gestaltet. Gerstmayr starb hochanerkannt Ende der 80er-Jahre im Alter von 107 Jahren. In Gmunden lud der "Touristenklub", ein aufstrebender Alpinverein, ins Kurhaus zum Faschingskränzchen. Für die "feenhafte Beleuchtung" hatte der Elektrizitäts- und Bahnpionier Baurat Stern gesorgt, dessen Name heute noch durch die "Stern & Hafferl-Bahn" präsent ist.

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Als "repräsentativstes" Fest und Höhepunkt des Faschings 1914 nannte die "Tagespost" den Rot-Kreuz-Ball im Kaufmännischen Vereinshaus, der unter der Patronanz des Statthaltereirats Graf Attems stand und zu dem die "vornehmsten militärischen und zivilen Kreise" kamen. Normalerweise beehrte solche Anlässe auch Erzherzog Josef Ferdinand, der Vertreter des Kaisers im Land, mit seinem Besuch. Doch der erholte sich gerade von einer Bruchoperation, nach der übrigens täglich ein Zustandsbericht ("ruhiger Schlaf, Temp. 37,8 °) an die Presse ging.

 

Die Originalseiten der „Tagespost“ (Vorgänger der OÖNachrichten):

 

Vor 100 Jahren
 
Bild: OÖN Archiv

 

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