Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Konrad Lorenz   Bild: (AFP)

Konrad Lorenz war nur ein Fall von vielen in der NS-Zeit

Für konservative Grüne war der nobelpreisgekrönte Verhaltensforscher Konrad Lorenz einer der Säulenheiligen der jungen Umweltbewegung in den beginnenden 1980er Jahren.

Von Josef Achleitner, 21. Dezember 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Der alte Herr mit dem wallend weißen Haar und dem markanten Bart erinnerte an honorige Forschergestalten der Jahrhundertwende, war aber in der NS-Zeit, im Hintergrund, Teil eines unmenschlichen Systems, was ihn 26 Jahre nach seinem Tod das Ehrendoktorat der Universität Salzburg kostete. Die Entscheidung ist umstritten.

Fächer wie Medizin, Biologie und Anthropologie waren schon lange vor Hitler auf einem fatalen Weg. In Europa und in den angelsächsischen Ländern hatten sich Eugenik und Rassenhygiene breitgemacht, die die Ausscheidung nicht erwünschten Menschenmaterials aus der Fortpflanzung zum Ziel hatten. In manchen Ländern wurden sozial auffälligen Eltern oder Ureinwohnern die Kinder weggenommen. Sterilisierung solcher Eltern war viel diskutiertes Thema.

Konrad Lorenz 1944 als Kriegsgefangener in einem russischen Lager

 

Selbst so fortschrittliche Geister wie Hans Kelsen, der Architekt der österreichischen Bundesverfassung von 1920, oder der Arzt und verdienstvolle Stadtrat im roten Wien, Julius Tandler, machten sich im „Bund für Volksaufartung und Erbkunde“ Gedanken über „das Problem der Vernichtung unwerten Lebens im Interesse der Erhaltung lebenswerten Lebens“. Vorsitzender des Bundes war der schon zu Kaisers Zeiten mit brutalen Behandlungsmethoden an Kriegsopfern aufgefallene, ebenfalls mit dem Nobelpreis bedachte Psychiater Julius Wagner-Jauregg.

Das berühmte Badebild mit den Graugänsen

 

Es blieb den Nazis vorbehalten, aus diesen fehlgeleiteten wissenschaftlichen Theorien eine industriell organisierte, mörderische Praxis zu machen, in die viele Mediziner verwickelt waren. Für viele Forscher, deren anders gesinnte oder jüdische Konkurrenten mit dem Einmarsch Deutschlands in Österreich zu Tausenden ausgeschaltet wurden, ergab sich ein attraktives, vom NS-Regime großzügig gefördertes Arbeitsgebiet, das nicht unbedingt direkt mit Tötungen und Misshandlungen zu tun hatte. Es galt, die Vorteile der Ausmerzung „minderwertiger“ Bevölkerungsteile zu belegen, teils mit völlig absurden Thesen.

Auch Urgeschichtler, Archäologen, Volkskundler und Germanisten wurden herangezogen – und sie rissen sich um Aufträge –, um den ersten Platz des nordischen Typs in der Hierarchie der Rassen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie nachzuweisen und Hitlers Kriegs- und Raubpolitik theoretisch zu untermauern.

Lorenz selbst war dabei wohl nur eine ans Regime angepasste Nebenfigur: als Professor, Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP in Königsberg oder als Teilnehmer an einer Studie, die die „erbbiologische Eignung“ von Polen und Deutsch-Polen zum Verbleib im deutschen Warthegau (heute Polen) erhob.

Konrad Lorenz
Konrad Lorenz als Professor um 1940  
Bild: APA/dpa/OÖN-Archiv

Der Professor mit Parteiabzeichen der NSDAP

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Kommentare

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