Damals/Vor 100 Jahren

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Osteraufstand 1916 in Dublin

Osteraufstand 1916 in Dublin: Schwere Zerstörungen und Hunderte Tote in der Stadt Bild: epa

Irland: Ein gescheiterter Aufstand als Anfang vom Ende britischer Herrschaft

Von der letzten Aprilwoche im Jahre 1916 an bis Mitte Mai berichtete die Linzer "Tagespost" täglich an prominenter Stelle, aber nicht allzu groß und detailliert, über den "irischen Aufstand".

Von Josef Achleitner, 09. Mai 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
John Connolly
John Connolly, sozialistischer Gewerkschafter, einer der Anführer des irischen Aufstandes. Bild: APA/dpa

Auch das Leid, das die königlichen Besatzer über Jahrhunderte den gälischen Iren angetan hatten, war Thema.

Die Briten, deren Adelige und Verwalter sich mit Unterstützung des Königshauses über 800 Jahre lang in Irland Herrschaft und am stärksten in den nordirischen Grafschaften Grundbesitz angeeignet, dabei die Iren im eigenen Land zu Bürgern zweiter Klasse gemacht hatten, zeigten in diesen Tagen wenig Interesse, den Aufstand in der Weltpresse zu sehen.

Denn dieser militante Widerstand gegen die Gewaltherrschaft war mit Hilfe eines Teils der Hunderttausenden Auswanderer in den USA und vor allem mit Hilfe des gegen Großbritannien seit 1914 im Ersten Weltkrieg stehenden Deutschen Reichs geplant worden.

Sir John Grenfell Maxwell
Sir John Grenfell Maxwell, britischer General, Kommandeur der britischen Truppen gegen den Aufstand. (Bild: APA/dpa)

Freilich stand die Aktion von Anfang an unter keinem guten Stern. Eine getarnte Waffenlieferung aus Deutschland wurde verraten, das Schiff gestellt und vom Kapitän versenkt. Nur in der Hauptstadt Dublin machten etwa 1000 Aktivisten der Irish Volunteers (Freiwillige) und der Irish Citizen Army mit, als am Ostermontag der Lehrer Patrick Pearse, der linke Gewerkschafter James Connolly und der Nationalist Thomas Clark öffentliche Gebäude im Zentrum besetzten und vor dem General Post Office die Unabhängigkeit proklamierten. Es gelang nicht, Bahnhöfe und Häfen zu sperren. Auch die Burg, Sitz der britischen Verwaltung, konnten sie nicht einnehmen.

Sechs Tage hielten die zuletzt zu einem Häufchen geschrumpften Aufständischen durch, ehe sie am Samstag angesichts von immer mehr toten Zivilisten kapitulierten. Die Briten hatten sich trotz ihrer zehnfachen Übermacht nicht mit Nahkampf aufgehalten, sonder mit Maschinengewehren und Kanonen, auch von Schiffen aus, die Stadt beschossen.

Die – kriegsrechtlich haltbare – harte Reaktion des britischen Kommandeurs Sir John Grenfell Maxwell ließ die negative Stimmung der Iren gegenüber den Aufrührern kippen. Maxwell ließ ein Dutzend Anführer, darunter den schwerverletzten Connolly, exekutieren und 3000 Iren festnehmen. Für irische Historiker ist der gescheiterte Aufstand der Grundstein für die spätere Unabhängigkeit, die – unterstützt von der Sammelpartei Sinn Fein ("Wir selbst") – die Irish Republican Army (IRA) bis 1922 erkämpfte. Dem folgte ein kurzer, ebenso blutiger Bürgerkrieg zwischen Republikanern und den Nationalisten, die die Abtrennung des mehrheitlich protestantischen Nordirland nicht akzeptieren wollten.

Der Terror endete dort erst Ende des 20. Jahrhunderts. Die Teilung ist noch aufrecht.

 

Originalseite der Linzer "Tagespost" vom 15. Mai 1016:



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