Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild
Dr. Eduard Bloch in Arztpraxis

Dr. Eduard Bloch in seiner Ordination in Linz-Urfahr, um 1938. Zwei Jahre später emigrierte er. Bild: Dt. Bundesarchiv

Hitlers Linzer "Edeljude" Dr. Bloch und sein Tod in New York

Im ausgehenden Winter 1946, es hatte großer Mangel an Lebensmitteln und Heizmaterial im Land geherrscht, brachten die "Oberösterreichischen Nachrichten" eine unspektakuläre Kurzmeldung. "Medizinalrat Dr. Bloch gestorben" stand im Titel.

Von Josef Achleitner, 07. März 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
Zeichnung Hitlers
Zeichnung Hitlers aus der Zeit, als seine Mutter an Krebs erkrankte. (Bild: Dt. Bundesarchiv/dpa/APA)

Im Text war die Rede von dem "bekannten und wegen seiner Menschenfreundlichkeit allseits beliebten Arzt", der 1939 mit seiner Familie nach Amerika ausgewandert und nun gestorben sei. Und: Bloch habe vor Jahren in Linz Adolf Hitlers Mutter und auch ihn aufopfernd behandelt, wofür ihm dieser ein Dankschreiben gesandt habe. Tatsächlich war Eduard Bloch schon im Juni 1945, ohne ausreichende Englischkenntnisse und ohne Gelegenheit, seinen Beruf auszuüben, heimwehkrank mit 73 Jahren in New York gestorben. Diese Information war wohl in den Nachkriegswirren des Vorjahres untergegangen.

Inzwischen ist das Schicksal des 1872 in Böhmen als Sohn des Hofjuden des Fürstenhauses Schwarzenberg geborenen Mediziners zum Forschungsobjekt österreichischer und amerikanischer Historiker geworden. Bloch ist als "Hitlers Edeljude" in die Geschichte eingegangen. Der Ausdruck stammt vom Diktator selbst, der sich 1937 und ein Jahr später nach dem Anschluss Österreichs bei hiesigen Nationalsozialisten nach dem "guten, alten Dr. Bloch" erkundigt und gemeint hatte: "Ja, wenn alle Juden so wären wie er, dann gäbe es keinen Antisemitismus." Zu dieser Zeit waren die Juden in Deutschland schon rechtlos und wurden von Hitlers NS-Häschern verfolgt, wenig später sollte es im ausgelöschten Österreich ebenso sein.

Adolf Hitlers Mutter Klara
Adolf Hitlers Mutter Klara in jungen Jahren. (Bild: Dt. Bundesarchiv/dpa/APA)
Brigitte Hamanns Buch
Die Wiener Historikerin Brigitte Hamann widmete dem Linzer Arzt und „Edeljuden“ Hitlers ein Buch. (Bild: Dt. Bundesarchiv/dpa/APA)

Hitlers "ewige Dankbarkeit" für Bloch stammte aus seiner frühen Jugend, als der populäre praktische Arzt die verarmte, vaterlose Familie behandelte. 1907 erkrankte Hitlers Mutter Klara mit 48 Jahren an Brustkrebs. Bloch behandelte die Frau für ein lächerlich geringes Honorar und betreute sie bis ans Totenbett. Der knapp 17-jährige Hitler, gerade zweimal bei der Aufnahmsprüfung an der Kunstakademie in Wien gescheitert, war am Boden zerstört. Bloch sprach später in Interviews mit dem US-Geheimdienst von der übergroßen Liebe zwischen dem "seltsamen Burschen" und seiner Mutter. Die Wiener Historikerin Brigitte Hamann, die für ihr Buch "Hitlers Edeljude" unter anderem die in der Emigration geschriebene Autobiografie Blochs untersucht hat, glaubt, dass Hitler erst Jahre später, nach dem Ersten Weltkrieg, zum radikalen, später mörderischen Antisemiten wurde.

Bloch stand nach 1938 anfangs unter diskretem Schutz Hitlers. Er hatte über dessen Verwandte beim "Führer" um Ausnahme gebeten. Er musste keinen Judenstern tragen, durfte die Wohnung und sein Eigentum behalten, aber nicht mehr ordinieren. Ende 1940, nach mehreren Interventionsversuchen für die Ausreise, konnte Bloch nach Amerika auswandern.

 

Originalseite von 19. Februar 1946:



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