Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Eferding: Kleinstadt, umgeben von Landgemeinden Bild: LPD/Stadtarchiv Linz/OÖSB

Gemeinden: Zwangsfusionen der Nazis, die nach dem Krieg platzten

Gemeindefusionen liegen angesichts der Finanznöte im Trend. Natürlich laufen diese heutzutage auf freiwilliger Basis und nach jahrelanger, von Mediatoren unterstützter Vorbereitung ab. Werden Zusammenschlüsse von oben dekretiert wie in der Steiermark, bleiben Wunden zurück.

Von Josef Achleitner, 18. Januar 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Vor 70 Jahren löste sich eine Reihe unter dem Nazi-Regime zwangsfusionierter Gemeinden wieder voneinander. "Gehen wir lieber wieder auseinander" übertitelten die "Oberösterreichischen Nachrichten" im Winter 1946 einen Bericht darüber. Die NS-Landesführung unter Gauleiter August Eigruber hatte schon im Herbst 1938 fast 40 Kleingemeinden an Städte oder andere Kommunen angeschlossen. Nach dem Krieg wollten viele wieder eigenständig werden, und oft gelang das auch. So wurde, unter der Verantwortung von SP-Landeshauptmann-stellvertreter Ludwig Bernaschek, etwa Pfarrkirchen wieder von Bad Hall getrennt, das kleine Haigermoos im Innviertel kam wieder weg von St. Pantaleon. Nicht akzeptiert wurde wegen der dort ansässigen Aluminiumwerke der Wunsch der Ranshofner, sich von Braunau zu trennen. Und auch dem Ansinnen mancher Ebelsberger, nicht mehr zu Linz zu gehören, wurde nicht nachgekommen.

Der Bezirk Eferding
Der Bezirk Eferding und seine Gemeinden. Die Umlandgemeinden der Stadt Eferding waren bis 1946 eingemeindet. (Bild: LPD/Stadtarchiv Linz/OÖSB)

Im Einvernehmen gingen die Stadt Eferding und die Landgemeinden Pupping, Hinzenbach und Fraham wieder auseinander. Dies obwohl Eferding durch Pfarre, Schulen, Kindergärten und Ämter der Kristallisationspunkt war – und noch ist. Im Februar 1946 besprachen die demokratischen Gemeindevertreter die Trennung, die (wenigen) Finanzmittel wurden verteilt, Mandate zurückgelegt. Die Landesregierung hatte bereits zugestimmt. Der Grund der Trennung dürfte in der Vorgangsweise der NS-Beamten und der Radikalität der örtlichen Parteiführung in den zurückliegenden Jahren zu suchen sein.

Ebelsberg
Ebelsberg, seit 1938 Teil von Linz, hier auf einer Aufnahme aus 1929. (Bild: LPD/Stadtarchiv Linz/OÖSB)

Einen kleinen Eindruck davon gibt das Protokoll der Sitzung vom 15. September 1938, in der die Land-Bürgermeister vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Letztere waren natürlich NS-Parteigänger, die christlich-sozialen Vorgänger waren schon beim Anschluss, teils mit vorgehaltener Waffe, aus ihren Ämtern entfernt worden. Dennoch konnten die NS-Nachfolger nicht umhin, den Ärger der Bevölkerung über die Pläne vorzubringen. Fraham und Pupping boten Gebietsabtretungen in Eferdinger Stadtnähe statt der Fusion an. Doch die Ortschefs spürten nun am eigenen Leib, wie diktatorische Gewalt schmeckt. Knappe fünfviertel Stunden dauerte die Sitzung unter Hofrat Josef Ensthaler und Regierungskommissär Gast, die einerseits Eferding das Recht absprachen, sich Stadt zu nennen, und andererseits die Parteigenossen vom Land verpflichteten, "der Bevölkerung ihre Gedanken aufzuzwingen". Letzter Punkt der Sitzung waren die Anordnungen für die Zwangszusammenlegung.

Originalseite vom 1. Februar 1946:



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