Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild
Porträt von Marga Hubinek

Hubinek als junge Politikerin, damals Landtagsabgeordnete in Wien Bild: APA

Frauenkarrieren in der Politik bis in die 80er-Jahre: Jessas, a Weib!

Sie war bei weitem nicht so populär (bei den emanzipierten Frauen) und nicht ganz so umstritten (bei den schockierten Männern) wie Österreichs erste Frauen-Staatssekretärin und spätere -Ministerin Johanna Dohnal.

Von Josef Achleitner, 12. September 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Ihr haben die Geschlechtsgenossinnen auch nicht dicke Kränze geflochten wie der Sozialdemokratin, die noch immer Vorbild der Polit-Frauen von links bis in die Mitte ist.

Dennoch war Marga Hubinek, die am Freitag im Alter von 90 Jahren gestorben ist, eine der bemerkenswertesten Politikerinnen der Zweiten Republik. Während Dohnal, wenn schon nicht die Praxis, so doch die Parteiideologie und Kanzler Bruno Kreisky auf ihrer Seite hatte, musste Hubinek in der konservativen, damals noch sehr männerbündischen ÖVP dickere Bretter bohren.

Dass sie Anfang der 70er Jahre ein neues Familien- und Strafrecht forderte, wie es Kreiskys Sozialisten dann verwirklichten, sahen viele Männer bei den Schwarzen als Affront. Bis dahin war der Mann unumschränkter Vorstand der Familie, durfte der Frau die Berufstätigkeit verbieten und konnte sie zum Ortswechsel zwingen. Ihre Forderung, die populär gewordene empfängnisverhütende Pille rezeptfrei verkaufen zu lassen, schockierte die Romtreuen in der Partei. Dem Papst, der ein Pillenverbot dekretiert hatte, sprach sie schlicht die Kompetenz in der Frage ab.

Ihr Einsatz für die Karenz von Frauen und Männern schockierte wiederum die Wirtschafter in der ÖVP, bei denen die promovierte Germanistin und Historikerin beruflich in der Wiener Handelskammer verankert war. Dicke Haut, Fleiß und Selbstbewusstsein ließen die Mutter zweier Töchter dennoch politisch überleben – ja sogar aufsteigen. Nach elf Jahren im Wiener Landtag war sie 1970 in den Nationalrat eingezogen, spezialisiert auf Familie, Soziales, später immer mehr auf Umwelt. Als eine der Ersten in der ÖVP stellte sie sich gegen Atomkraft und war auch gegen das Donaukraftwerk bei Hainburg. Mit dem Tiroler Landes-Patriarchen Eduard Wallnöfer geriet sie wegen dessen Kraftwerksplänen so in Streit, dass dieser ihr öffentlich das parteiübliche Du-Wort entzog.

1986 zog sie als erste Frau überhaupt in das Präsidium des Nationalrats ein. ÖGB-Chef Anton Benya, zu dieser Zeit Präsident, reagierte auf die Bestellung mit dem legendären Ausrutscher: "Jessas, a Weib". Ein Jahr später wäre sie ÖVP-Obmann Alois Mocks erste Wahl als Familien- und Umweltministerin gewesen, sagte aber ab: Ihr Mann war kurz zuvor gestorben. In dieser Lage wollte sie das "unendlich reizvolle", aber wegen des Zeitaufwands familienfeindliche Amt nicht annehmen.

Mit 64 verließ Hubinek das Parlament, war sich aber nicht zu gut, bis zum Achtziger im Gemeinderat von Breitenfurth mitzuarbeiten. Daneben war sie, als Vorsitzende der WWF-Stiftung, im Umweltschutz tätig und ging etwa erneut gegen Natureingriffe in Tirol vor.

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