Damals/Vor 100 Jahren

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Franz Ferdinands Treffen mit Kaiser Wilhelm / Nachrufe auf Bertha Suttner

Eine Woche vor dem folgenschweren Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie von Hohenberg am 28. Juni berichteten die Zeitungen mehrmals darüber,...

23. Juni 2014 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

...was wohl der deutsche Kaiser Wilhelm II. und FF (so sein Kürzel im Kanzleiverkehr) auf seinem mittelböhmischen Schloss Konopischt besprochen haben könnten. Anders als Kaiser Franz Joseph und dessen Hofkammer schätzte der forsche, sprunghafte Wilhelm Franz Ferdinands Frau Sophie. Eine Wohltat für das Ehepaar, das bei Hof nicht gemeinsam auftreten durfte, weil sie zwar altböhmischem Adel, aber keinem regierenden Haus entstammte.

Zum Inhaltlichen des Kaiserbesuchs: Die Linzer "Tages-Post" zitierte die "Militärische Rundschau", die den Besprechungen "größte militärische und politische Bedeutung" zumaß. Zuvor hatten schon der deutsche und der österreichische Generalstabschef Abmachungen für den Fall neuer Aktionen Russlands getroffen. Neben Investitionen in Personal und Gerät hätten die Russen Rumänien für den Ernstfall in die Entente (England, Frankreich, Russland) einbezogen, und die Entente bereite die Einkreisung der Mittelmächte Österreich, Deutschland, (noch) Italien im Mittelmeer vor. Franz Ferdinand traute bis zuletzt den ständigen Kriegsforderungen der Generalität nicht.

Für die Allgemeinheit – die Zahl der Zeitungsleser machte nur einen Bruchteil der heutigen aus – galt, dass die beliebte Armee schon gerüstet sein werde. Von den Vorbereitungen des Sarajevo-Besuches stand in der "Tages-Post" zu lesen: Im Hotel Bosna im Badeort Ilidza seien die sechs Hofmöbelwagen mit Wäsche und Service für den Thronfolger und seinen Tross bereits angekommen. Architekt Knopfmacher habe die Appartements für das Paar "glänzend" eingerichtet. In Sarajevo selbst seien die Hotels "von Fremden ausgebucht".

Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, die eine Woche vor dem kriegsauslösenden Politmord an Magenkrebs gestorben war, bekam in den Zeitungen großteils wohlwollende Nachrufe. Doch die reale Bedeutung ihrer Arbeit und die Treffsicherheit ihrer Warnungen waren der Gesellschaft damals nicht bewusst. Die Beiträge waren eher klein, die ersten Seiten wie üblich von Konflikt- und Kriegsberichten dominiert. Die "Tages-Post" wies auf den Spott hin, den die engagierte Friedenskämpferin in 30 Jahren hatte ertragen müssen. Man hatte sie als wichtigtuerische Fuchtel (Friedens-Bertha, dicke Bertha) in Witzblättern bloßgestellt. Ihre internationale Friedensgesellschaft hatte damals übrigens auch in Linz eine kleine Ortsgruppe. Im Kaiserhaus und in der Armee war sie persona non grata. Die "Neue Freie Presse" betonte die weltweite Wirkung der Verstorbenen mit ihren Haager Konferenzen, aus denen der heutige Haager Gerichtshof entstanden ist. Suttner war jahrelang Mitarbeiterin der "Presse".

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