Damals/Vor 100 Jahren

Menü
Facebook Twitter Google+ E-Mail
Damals Titelbild

Das Linzer Landestheater heute: Vor 150 Jahren hieß es Landschaftliches Theater und war mit seinen Redoutensälen einer der Schauplätze des städtischen Faschings. Bild: LPD/OÖN

Fasching 1866: Nach den Festen wurde Prinz Carneval feierlich begraben

Kleiner Rückblick vor dem Faschingsfinale. Die närrische Zeit wurde vor 150 Jahren höchst ausgiebig und kreativ gefeiert, wie unsere Vorgänger-Zeitung "Tagespost" im Februar 1866 berichtete.

08. Februar 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Dem Ausgleichsdrängen der Ungarn zum Trotz, die noch in diesem Jahr zur zweiten Reichshälfte wurden, auch den heftigen Kulturkampf zwischen dem strengen Linzer Bischof Rudigier und den von der "Tagespost" unterstützten Liberalen kurz vergessend, gaben sich die Linzer Bürger dem Treiben hin. "Ende nie", wie ein Salon in einer Annonce warb.

Das Landestheater, damals "Landschaftliches Theater" genannt, wartete mit Linzer Lokalpossen wie jener über "Die beiden Nachtwandler" auf. Die Sangesbrüder der Linzer Liedertafel "Frohsinn" gaben einen Herrenabend in Seeg’s Restaurant in Urfahr, bei dem zum Gaudium des Publikums ein Herr Pablasek eine Narrenrede hielt und "zahllose Witzfunken sprühen ließ", wie der Kollege von damals schrieb. Eigens komponierte Scherzlieder wie das "Frühlingsnahen", der "Piratengesang" oder der "Trinkchor" boten Sänger und Musiker unter Theater-Kapellmeister Ruzek. Die Liedertafel, der manche ein baldiges Ende vorausgesagt hatten, habe ihren Ruf in würdigster Weise aufrechterhalten, berichtete unsere Zeitung.

Organisierter Spaß stand hoch in Kurs bei den Linzern. Schmidts Gasthaus "Zum weißen Hasen" lud am Sonntag des Faschingswochenendes zum "Volks-Kikeriki- und Chinesen-Haubenball", mit entsprechender Maskerade, die beim Einlass zu kaufen war. Elektrisches Licht gab es noch nicht. Gastwirt Schmidt betonte, der Saal sei "nur an diesem Abende mit 40 Gasflammen beleuchtet". Am Montag stand bei Schmidt der "Erste Monstre Volks-Masken-Ball" auf dem Programm. Zu bewundern gab es eine "außergewöhnliche, großartige, komische Dekoration". Damen in Begleitung hatten freien Eintritt. Abschließen konnte man den Fasching am Dienstag beim "Knödel-Ball" – es gab in Linz mehrere dieser Art – der Veranstalter legte Wert auf die Feststellung, dass "bei allen drei Bällen frisch gewichster Saalboden" zur Verfügung stehe. Am Aschermittwoch war eine "Häring-Soiree" angesagt.

Im anfangs erwähnten Restaurant Seeg ließ man den Karneval mit einem "Faschings-Jux-Ball" ausklingen, bei dem die elegantesten, komischsten, originellsten Masken mit Golddukaten prämiert wurden. Dann wurde "Prinz Carneval" feierlich unter großem Hallo begraben. In einem anderen Linzer Gasthaus wurde der Karneval gar theatralisch erschossen.

Tags darauf flammte in Linz wieder die Trichinen-Hysterie auf. Obwohl in Ober- und Niederösterreich kein einziger Fall der Schweine-krankheit vorgekommen war, mussten Fleischbeschauer und Fleischer täglich in Inseraten auf die strengen Untersuchungen mit "neuesten Mikroskopen" hinweisen, um den Absatz zu retten.

 

Tagespost im Fasching 1866: Jux-Ball-Werbung und Trichinen-Entwarnung



PDF Datei (1.19 MBytes.)

 

»zurück zu Damals/Vor 100 Jahren«

Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden.
Was sagen Sie zum Thema? Jetzt kommentieren

Haben Sie bereits einen Benutzernamen? Dann melden Sie sich bitte hier an.
Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort, Ihre E-Mail-Adresse und Ihre Handynummer mitteilen.
Gewünschter Benutzername
Gewünschtes Passwort
Wiederholung Passwort
E-Mail
Anrede
  Frau    Herr 
Vorname
Nachname
OÖNcard / Kundennummer (optional)
Handynummer
/

Sicherheitsfrage
Wie viel ist 24 - 4? 
Bitte Javascript aktivieren!