Damals/Vor 100 Jahren

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Karl Schachinger: Stadtplatz-Kaufmann, Bürgermeister, Landtags- und Reichstagsabgeordneter, war der Motor der Eferdinger Bewerbung um den Behördensitz Bild: OÖN/Stadtarchiv/Schönhuber

Eferdings Bezirkshauptmannschaft: Cleverer Anfang, bitteres Ende

Große Erwartungen werden an den Besitz der Bezirkshauptmannschaft geknüpft; möge diese unserem Orte wirklich zum Heile gereichen", schrieb der Korrespondent unserer Vorgängerzeitung "Tagespost" am 13. August 1907.

Von Josef Achleitner, 02. November 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
Karl Schachinger
Stadtplatz-Kaufmann, Bürgermeister, Landtags- und Reichstagsabgeordneter, war der Motor der Eferdinger Bewerbung um den Behördensitz
Bild: OÖN/Stadtarchiv/Schönhuber

Die Stadt Eferding hatte am Wochenende zuvor am Hauptplatz ein prächtiges Fest für die in der Woche zuvor eröffnete Behörde gegeben.

Nach acht Jahren hartnäckiger Bemühung war es gelungen, aus dem Bezirksverband Wels auszuscheiden und statt einer Expositur eine eigene Verwaltung für die kleine Region zu bekommen. Motor und wohl auch effektivster Werber für dieses breit unterstützte Ansinnen war der Bürgermeister, Kaufmann, Handelskammerfunktionär, Landtags- und Reichstagsabgeordnete Karl Schachinger.

Er nützte seine Beziehungen zur kaiserlichen Statthalterschaft in Linz, zum (damals weniger einflussreichen) Landeshauptmann und zu den entscheidenden Stellen im Innenministerium – und hatte mit schlauen Argumenten Erfolg. Neben Eferding bemühten sich auch Grieskirchen, Lambach und Waizenkirchen um den Behördensitz. Für Eferding spreche, so die Stadtpolitiker in der Eingabe, das wirtschaftliche Gewicht, die Nähe zu den Bürgern und die Bevölkerungszahl. Außerdem seien die Verkehrsverbindungen mit der alten Reichsstraße (heute "B129") und der in Projektierung befindlichen Bahnlinie Linz–Eferding–Waizenkirchen hervorragend. 1904 gab die Statthalterei das Placet, die Stadtgemeinde müsse aber für die Unterbringung sorgen, was über die Sparkasse auch gelang.

Michael Slapnicka
derzeit Bezirkshauptmann
Bild: OÖN/Stadtarchiv/Schönhuber

Erster Bezirkshauptmann (bis 1919) war Baron Severin von Messina. Pläne, auch benachbarte Gemeinden am anderen Donauufer anzuschließen, zerschlugen sich, weil die dafür notwendige Donaubrücke wegen Kriegsausbruchs nicht gebaut wurde. Bis 1923 gehörte auch der Gerichtsbezirk Waizenkirchen zu Eferding, davon blieben nur Prambachkirchen und St. Marienkirchen.

Grieskirchen, das in Zukunft nach dem Willen der schwarz-blauen Landesregierung Hauptsitz der gemeinsamen Behörde werden soll, bekam erst 1911 eine eigene Bezirkshauptmannschaft.

 
Das Bürgerservice der BH soll in Eferding bleiben

Schon einmal, zwischen 1938 und 1948, während und kurz nach der NS-Herrschaft, hatte Grieskirchen die Oberhand. Das war im Raum Eferding nicht nur wegen der Willkürherrschaft der Nazis unbeliebt, sondern auch weil die wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen nach Linz und Wels tendierten.

Im Machtausgleich zwischen ÖVP und SPÖ war die BH Eferding bis vor einem Jahrzehnt roten Landes-Hofräten vorbehalten. Dass der aktuelle Behördenchef Michael Slapnicka, der der letzte sein soll, als einer der engagiertesten in der Reihe der bisherigen Bezirkschefs gilt, macht den Abschied für Eferding umso bitterer.

 

Die Originalseiten der „Tagespost“ vom 4. November 1950:

 
Bild: OÖN

 

 
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