Damals/Vor 100 Jahren

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Die späte Karriere Hindenburgs, der Deutschland ins Unglück stürzen ließ

Im November 1914 begann die späte, steile und für Deutschland unglückselige Karriere des Paul von Hindenburg.

Von Josef Achleitner, 03. November 2014 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Der kaiserliche General war schon 67 und seit 1911 in Pension. Nach Kriegsbeginn bettelte er in einem Brief an den Generalstab fast darum, aktiviert zu werden. "Wie ein altes Weib" sitze er hinter dem Ofen, obwohl er körperlich und geistig durchaus kriegstauglich sei.

Anfangs weigerte sich die Heeresführung, ihm ein Kommando zu übergeben. Doch als der für nur wenige Wochen geplante Angriff auf Frankreich über Belgien ins Stocken kam und das Zarenreich Ostpreußen bedrohte, konnte man an dem aus altem ostpreußischem Adel stammenden Pensionär nicht mehr vorbei. Der Mann war schon als Kadett Page der Königswitwe Elisabeth gewesen, hatte 1866 an der Schlacht bei Königgrätz teilgenommen und 1871 die Garde in Versailles bei der Proklamation Wilhelms I. zum deutschen Kaiser kommandiert.

Es war nicht das strategische Geschick Hindenburgs, das ihm im November den Oberbefehl im Osten brachte, es war die Hoffnung auf seine Außenwirkung. Die planerische Seite war Erich Ludendorff zugedacht. Dieser galt als Genie, er entwarf die Strategie für die siegreiche Schlacht bei Tannenberg. Doch die Meriten holte sich Hindenburg, der die Schlacht verschlafen haben soll.

Hindenburg mit Generalstab
Hindenburg mit Generalstab nach der Schlacht von Tannenberg  
Bild: Archiv
  1. Hindenburg mit Generalstab nach der Schlacht von Tannenberg

 

Jedenfalls zeigte sich damals Hindenburgs Talent für Mythenbildung. Er stilisierte Tannenberg zur Revanche für die 500 Jahre zuvor hier erlittene vernichtende Niederlage des Deutschen Ordens gegen polnisch-litauische Verbände. Ende 1915 hatten Hindenburg und Ludendorff die Russen zurückgedrängt und bis ins Litauische hinein den Militärstaat "Land Ober Ost" etabliert. Ein Jahr später übernahmen sie die Oberste Heeresleitung, entmachteten Kaiser Wilhelm II. de facto und nahmen direkt Einfluss auf die Politik.

Der Mythos von Tannenberg wirkte nach dem verlorenen Krieg weiter: Es gab Hindenburg-Plätze, -straßen und Geschirr mit Hindenburg-Porträts. Mit der Dolchstoßlegende setzte der wieder pensionierte Armeechef die junge Demokratie Deutschlands von Anfang an in ein schiefes Licht. Das deutsche Heer sei "am Felde unbesiegt" geblieben, die Novemberrevolutionäre (die späteren Demokraten) hätten es mit dem Waffenstillstand "von hinten erdolcht".

Paul von Hindenburg
Paul von Hindenburg als Reichspräsident  
Bild: Archiv
  1. Paul von Hindenburg als Reichspräsident

 

Als Verlegenheitskandidat wurde Hindenburg 1925 mit 77 Jahren noch einmal aus der Pension geholt. Als Reichspräsident blieb er lange im Verfassungsrahmen, setzte aber zusehends auf rechte bis rechtsextreme Parteien. Am 30. Jänner 1933 berief Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Einen Monat später gab es die ersten Massenverhaftungen. Der Rest ist tragische Geschichte.

Hindenburg, Hitler
Mit Hitler nach dessen Bestellung zum Reichskanzler  
Bild: Archiv
  1. Mit Hitler nach dessen Bestellung zum Reichskanzler

 

Originalseiten der "Tagespost", Vorgängerzeitung der OÖNachrichten", lesen Sie hier:



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