Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Diktator Franco (Mitte) mit seinem Bürgerkriegshelfer Adolf Hitler Bild: Archiv

Die kaum überwindbaren Gräben zwischen Links und Rechts in Spanien

Die Spanier haben im vergangenen Dezember gewählt und noch immer keine Regierung.

Von Josef Achleitner, 14. Februar 2016 - 19:45 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
Zerstörte Stadt Gernica
Die durch deutsche Luftangriffe zerstörte baskische Stadt Gernica (Bild: Archiv/dpa/APA)

Eine aus der Wirtschaftskrise entstandene Partei links der Mitte und eine rechts der Mitte sind neu dazugekommen, Mehrheiten schwer zu finden. Dem Gedanken, wie etwa in Österreich in schlechten Zeiten eine Koalition aus Konservativen und Sozialisten zu bilden, steht vor allem bei den Linken die Jahrzehnte tabuisierte Vergangenheit entgegen, deren Narben nicht verheilt sind.

Vor 80 Jahren, am 16. Februar 1936, gewann eine linke Volksfront aus Sozialisten, antiklerikalen Liberalen, stalinistischen Kommunisten und Kleinparteien die Parlamentswahl. Die Vorgängerzeitung der OÖN, die Linzer „Tagespost“, sah damals „bedrohliche Folgen des Linkssieges in Spanien“ auf Europa zukommen. Das „Linzer Volksblatt“ warnte vor dem „Verschwörerstaat“ Sowjetunion, der deutlich Einfluss auf Spaniens neue Regierung bekam.

Miliz gegen Franco
Anti-Franco-Miliz im Schützengraben (Bild: Archiv/dpa/APA)

Die 1931 nach Jahren von Diktatur und Monarchie gegründete Zweite Republik hatte beide Seiten enttäuscht. Die Linke war zersplittert zwischen Reformern, Revolutionären und Anarchisten und konnte der gewalttätigen Angriffe ihrer Anhänger auf Priester und Kirchen nicht Herr werden, die Rechte fürchtete angesichts der Berichte über Stalins mörderisches Schreckensregime in der Sowjetunion nicht nur um Besitz und katholisch geprägte Kultur, sondern auch um ihr Leben.

Gedenken
Gedenkbilder von im Bürgerkrieg verschwundenen Republikanern (Bild: Archiv/dpa/APA)

Selbst das moderate Reformprogramm der Regierung unter Manuel Azaña konnte einen guten Teil der Rechten nicht davon abbringen, den Glauben an die Republik zu verlieren. Die Regierung hatte kaum Autorität: Es kam in dem Land des immensen Großgrundbesitzes zu spontanen Landbesetzungen, wilden Streiks und Straßenkämpfen.

Demokratie war in dieser Zeit in Europa nicht hoch angesehen. In Österreich herrschte seit 1933 der autoritäre Ständestaat mit starkem Anklang an Benito Mussolinis faschistisches Italien. Deutschland war seit drei Jahren in der Hand Adolf Hitlers, dessen NSDAP gerade mit den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen skeptischen Demokraten zum Trotz einen Propagandasieg errungen hatte.

Im Juli 1936 begann dann in Spanien mit dem Putsch von Offizieren, darunter der spätere Generalissimo und Caudillo (Führer) Francisco Franco, ein drei Jahre dauernder Bürgerkrieg, einer der schrecklichsten bis dahin, dem 36 Jahre Diktatur und Isolation des Landes folgten.

Bis heute ist man sich nicht einig über die Zahl der Opfer auf beiden Seiten, jedenfalls dürfte sie in die Hunderttausende gehen. Noch immer werden außerhalb der Dörfer vom Regime in Massengräbern verscharrte Skelette von einstigen Franco-Gegnern gefunden. Etwa 7000 Geistliche und Angehörige rechter Parteien dürften ermordet worden sein. Aufarbeitung und Versöhnung sind über Ansätze nicht hinaus gekommen.

 

Die Originalseite der Tagespost vom 18. Februar 1936:



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