Damals/Vor 100 Jahren

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Haimbuchner

Manfred Haimbuchner in Siegerpose

Die alten und neuen Hochburgen der Blauen in Oberösterreich

Die Freiheitlichen haben am vergangenen Sonntag bei dieser von den Ängsten wegen der Flüchtlingswelle dominierten Wahl im ganzen Land stark dazugewonnen.

Von Josef Achleitner, 05. Oktober 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Noch über dem Landesdurchschnitt liegen die Nationalliberalen, wie Landesparteichef Manfred Haimbuchner sie definiert, im Innviertel, in Wels und Steyr. Auch in Linz haben sie nachgezogen. Überall dort waren schon die Vorgängerparteien der Freiheitlichen stark.

Die drei großen Städte Oberösterreichs waren bis zum Ende der Monarchie in der Hand deutschnationaler Bürgermeister. Diese waren durchwegs Akademiker oder prominente Unternehmer, wie überhaupt gebildete Schichten seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu dieser auf Liberalisierung des politischen Lebens drängenden und gegen die Allmacht von Kirche und Adel arbeitenden Gruppe tendierten. Als Sozialdemokraten und Christlichsoziale immer mehr Anklang bei den Massen fanden, radikalisierten sich die Deutschnationalen. Den Freiheitsbestrebungen in den slawischen Kronländern setzten sie einen ebenso harten Nationalismus entgegen. Darüber hinaus entwickelten sie einen Antisemitismus, der den Ausschluss der Juden aus der Gesellschaft zum Ziel hatte.

Als nach 1918 jede Stimme bei der Wahl gleichviel zählte, übernahmen die Sozialdemokraten die Städte. Die Großdeutsche Volkspartei bildete mit dem Landbund das "Dritte Lager" und war meist zweitstärkste Partei in den Städten. In Wels erzielte sie Resultate von bis zu 30 Prozent. Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland kam es in Österreich zum Auflösungsprozess der Großdeutschen, deren Mitglieder zum guten Teil offen oder verdeckt zur NS-Partei wechselten.

1949, als minderbelastete Nationalsozialisten erstmals wieder wählen durften, trat der Verband der Unabhängigen (VdU) als Sammelbecken für diese, für ehemals Nationale sowie für Heimkehrer, Vertriebene und Unzufriedene an. Der VdU erreichte auf Anhieb fast 21 Prozent, in Linz sogar 28 Prozent. Bei Betriebsratswahlen in der Voest und in den Stickstoffwerken kamen VdU-Listen sogar auf 47 bzw. 55 Prozent, in Ranshofen auf immerhin 35 Prozent. Der VdU ging 1956 in der FPÖ auf.

Das Innviertel ist ebenfalls seit langem eine für Freiheitliche sehr empfängliche Gegend. Schon 1919 erreichten die Nationalen dort höhere Zustimmung als in Kärnten, dem Kernland der Deutschgesinnten. Es gab deutschnationale Zeitungen und einschlägige Turnvereine, die das Leben prägten. Das wirkt bis heute: In St. Georgen am Fillmannsbach (Bezirk Braunau) etwa gibt es seit 1949 freiheitliche Bürgermeister.

Die erst seit 236 Jahren zu Österreich gehörenden, einstigen "Innbaiern" haben eben eine eigene Mentalität, die zum Handfesten, Widerständigen, mitunter Sturen neigt und ein spezielles Verhältnis zu Bayern sowie zu ganz Deutschland pflegt.

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