Damals/Vor 100 Jahren

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Josef Stalin

Josef Stalin Bild: AP

Die Potsdamer Konferenz: Schnelle Einigung mit verheerenden Folgen

Was bis Anfang August 1945 im Cecilienhof im ostdeutschen Potsdam unter der Führung dreier älterer Herren hektisch und westlicherseits mit wenig Nachdruck beschlossen wurde, hat auf Jahrzehnte hinaus und teilweise für immer das Bild Europas verändert.

Von Josef Achleitner, 10. August 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Von vornherein war klar, dass bei der Potsdamer Konferenz dem irren Traum Adolf Hitlers, den Deutschen im Osten mehr Lebensraum zu verschaffen, durch Schrumpfung des Staatsgebiets ein unrühmliches Ende gemacht werden sollte. Sowjet-Diktator Josef Stalin war am besten vorbereitet und er hatte unter anderem mit ihm genehmen oder von seiner Gunst abhängigen Führungen in Polen und in der Tschechoslowakei bereits Fakten geschaffen. US-Präsident Harry Truman und der daheim vor Abwahl stehende britische Premier Winston Churchill setzten wenig entgegen, teilweise waren ihre Experten auch schlicht inkompetent.

Polen sollte Gebiete wie Ostpreußen und Schlesien bekommen und damit für Kriegsverluste entschädigt werden. Böhmen und Slowaken sollten Gebiet und Besitz der deutschen Siedler als Wiedergutmachung erhalten. Die Sowjetunion holte sich im deutschen Osten Reparation.

Der Flucht und Vertreibung von insgesamt zwölf Millionen Deutschsprachigen wurde im Potsdam legitimiert, die Aussiedlung sollte "ordnungsgemäß und human" vor sich gehen.

Die großen Drei der Potsdamer Konferenz: (v.l.) Winston Churchill, Harry Truman, Josef Stalin  
Bild: Archiv

Zu diesem Zeitpunkt war ein Gutteil der massenhaften Enteignungen, wilden Vertreibungen und der Lynchjustiz, im Hintergrund organisiert meist von kommunistischen Gruppen, trotz der Potsdamer Empfehlung, damit vorerst auszusetzen, bereits geschehen oder in der aufgeheizten Stimmung nicht mehr zu stoppen. Weil das Potsdamer Abkommen kein völkerrechtlich bindender Vertrag war, konnte sich Stalin auch über die vereinbarte Pflicht zur Demokratisierung ganz Deutschlands hinwegsetzen und im Osten mit der DDR ein kommunistisches Regime einrichten.

Die Hauptziele der Konferenz für Deutschland und auch für Österreich

Die Briten, erst Churchill und nach dessen Niederlage Labour-Premier Clement Attlee, hatten den Kopf eher im östlichen Mittelmeer und im Nahen Osten, wo sie ihre Interessen etwa in Griechenland militärisch verteidigen wollten. Harry Truman unterschrieb in Potsdam das Ultimatum an Japan und fällte wenig später die Entscheidung, die ersten Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abzuwerfen.

Rudolf Augstein, Gründer des Magazins "Der Spiegel", urteilte hart über Potsdam: "Das Gespenstische lag darin, daß hier ein Kriegsverbrechergericht von Siegern beschlossen wurde, die nach den Maßstäben des späteren Nürnberger Prozesses alle hätten hängen müssen. Stalin zumindest für Katyn, wenn nicht überhaupt. Truman zumindest für die völlig überflüssige Bombardierung von Nagasaki und Churchill zumindest als Oberbomber von Dresden. Alle drei hatten ‚Bevölkerungsumsiedlungen’ verrückten Ausmaßes beschlossen, alle wussten, wie verbrecherisch diese vor sich gingen."

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