Damals/Vor 100 Jahren

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Die Angst der europäischen Juden vor dem arabischen Antisemitismus

"Das Sicherheitsgefühl sei schon größer gewesen", formulierte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, vergangene Woche betont vorsichtig seine Sorge.

Von Josef Achleitner, 04. Juli 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Die Flüchtlinge aus arabisch-afrikanischen Ländern kämen überwiegend aus Ländern, die mit Israel verfeindet seien und würden das Feindbild nicht beim Grenzübertritt ablegen. Antisemitismus sei in diesen Ländern alltäglich, Schauermärchen über Juden würden in den Familien, Schulen und über Medien verbreitet.

Ähnlich hatte sich zuvor schon Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, geäußert. Als warnendes Beispiel gilt den europäischen Juden Frankreich, wo Tausende Juden nach muslimischen Alltags-Attacken und vor allem nach islamistischen Anschlägen auf ihre Schulen und Geschäfte ausgewandert sind. "Eine tickende Zeitbombe" nannte das der deutsche Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski, der in Deutschland ähnliche Zustände wie in Frankreich befürchtet.

Beispiele gibt es seit Jahren, gab es lang vor der großen Flüchtlingswelle im Vorjahr. In Berlin, wo mehr als 20.000 Israeli oder Juden aus anderen Teilen der Welt wohnen – nicht wenige mit deutschen Wurzeln – empfehlen jüdische Gemeindevertreter, in bestimmten arabisch-muslimisch geprägten Stadtvierteln nicht mehr mit der Kippa, der traditionellen Kopfbedeckung, zu gehen. Es gab Rempeleien, Beschimpfungen, in einigen Fällen wurden Juden niedergeschlagen und beraubt. In Flüchtlingsheimen fand man in den vergangenen Monaten mit Schmähungen beschmierte Wände: Israel als der Teufel, Hakenkreuze, Juden als Schweine. Zwar wurden solche Hassbezeugungen schnell wieder entfernt, doch zeugen sie von einem Potential, das rasch in Gewalt umschlagen kann.

Woher der Hass, wo sich doch in den 71 Jahren seit dem Holocaust der Jahrhunderte alte Antisemitismus deutlich reduziert hat und in den meisten Ländern als Tabubruch gilt? In den arabischen Ländern ist die Entwicklung umgekehrt verlaufen. Seit der Staatsgründung Israels 1948 in Palästina und dem Verlust des darauffolgenden Krieges durch die Araber, der von diesen als "Nakba", als Katastrophe schlechthin, gesehen wird, schaukelt sich der Hass gegen alles Jüdische mit jedem Konflikt und jedem Krieg auf. Die Juden wurden zuvor, wie der Leipziger Politologe Omar Kamil sagt, als seltsame, komische, physisch schwache Menschen gesehen. Und ausgerechnet die gewannen Krieg um Krieg gegen die stolzen Araber und bauten, anders als sie, einen wehrhaften, florierenden, modernen, demokratischen Staat auf, im Gegensatz zu den autoritären, unaufgeklärten muslimischen Nahoststaaten.

In Zeitungen und elektronischen Medien sind Verschwörungstheorien, wie sie hierzulande die Nazis verbreiteten, populäre Stoffe: Juden als Beherrscher der Welt, als eigennützige Unglücksengel, die es zu vernichten gilt.

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