Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Österreichische Stellung an einem Karstgipfel Bild: OÖN-Archiv/Staatsarchiv/bnp

Der absurde Krieg: Das erste Jahr der Schlachten am Isonzo

Die Meldung vom Isonzo im slowenisch-italienischen Grenzgebiet, die unsere Vorgängerzeitung "Tagespost" am 11. November 1915 brachte, war nicht prominent platziert und klang auch nicht so dramatisch, wie der Krieg im Karstgebirge und an der Adria heute gesehen wird.

Von Josef Achleitner, 09. November 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

"Aus Befehlen und Aufzeichnungen, die bei toten oder gefangenen Offizieren gefunden wurden, geht hervor, dass die italienische Heeresleitung mit neuen Truppen, die sie von der Dolomitenfront und aus Reserveformationen des Hinterlandes ergänzen, die augenblicklich ein wenig ruhende Offensive gegen unsere Isonzostellungen bis zur neuen, völligen Erschöpfung wiederaufnehmen werden", schrieben die Kollegen.

Es war bereits die vierte, nach dem idyllischen smaragdgrünen, im Karst gelegenen Fluss benannte Schlacht, seit Italiens rechtsliberaler Premier Antonio Salandra auf die Versprechen der Ententemächte Frankreich, Großbritannien und Russland reagiert und nach Kündigung des Dreibundes mit Österreich-Ungarn und Deutschland auf Entente-Seite im Mai in den Krieg eingetreten war. Italien sollte dafür das Trentino, Südtirol, Istrien und Dalmatien bekommen.

Der Gebirgskrieg war nicht nur bald bei den italienischen Soldaten selbst unbeliebt, auch die Briten und Franzosen hätten die italienischen Truppen lieber im Balkankrieg gesehen.

Doch der direkte Kampf gegen das Kaiserreich, das der vollständigen Einheit Italiens im Weg stand, war für Männer wie Oberbefehlshaber Luigi Cadorna Prestigesache. Die vierte Isonzoschlacht wurde auch "Parlamentsschlacht" genannt, weil Cadorno vor den Wahlen einen Sieg haben wollte. Die Schlacht ging aus wie die ersten drei: kaum Geländegewinn, aber Tausende Tote.

Es sollten bis 1917 noch acht Schlachten folgen, bei denen es den Italienern nie dauerhaft gelang, sich gegen die zahlenmäßig und an Material stark unterlegenen Österreicher dauerhaft durchzusetzen und nach Triest durchzubrechen.

Die zwölfte Isonzoschlacht wurde in Italien lange Zeit als nationales Trauma gesehen. Den geschwächten k. & k. Truppen gelang es mit deutscher Hilfe und Giftgaseinsatz 1917, bei Karfreit (italienisch Caporetto, slowenisch Kobarid) bis zum Fluss Piave vorzurücken. Auf österreichischer Seite sprach man vom "Wunder von Karfreit", das jedoch am Kriegsverlust nichts änderte. Italien konnte die Front mit alliierter Hilfe halten und 1918 nach der dritten Piaveschlacht den Waffenstillstand als Sieger diktieren.

Isonzo steht seither wegen der Hunderttausenden Opfer ohne Effekt als Beispiel für einen absurden Krieg. In Italien entstand bald der Mythos vom verlorenen Sieg, weil die Entente zwar Südtirol, Trentino Triest und Istrien, nicht aber das heutige Rijeka und Dalmatien Italien zuschlug.

 

Die Originalseiten der "Tagespost":

 
Bild: OÖN-Archiv/Staatsarchiv/bnp

 

 
Bild: OÖN-Archiv/Staatsarchiv/bnp

 

 

Die Tagespost vom 11. November 1915 als PDF-Download:



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