Damals/Vor 100 Jahren

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Erwin von Lahousen wird beim Nürnberger Prozess vereidigt Bild: Dt. Bundesarchiv

Der Österreicher, der in Nürnberg Göring und Genossen das Spiel verdarb

Zwei Österreicher saßen, wie am Wochenende in den OÖNachrichten beschrieben, beim ersten Nürnberger Prozess bis Oktober 1946 als Angeklagte unter den Hauptverantwortlichen des NS-Schreckens.

Von Josef Achleitner, 03. Oktober 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
Erwin von Lahousen
Lahousen in Generalsuniform (Bild: ÖNB)

Der Führer von Adolf Seyß-Inquart und Ernst Kaltenbrunner, Adolf Hitler, hatte sich bei Kriegsende erschossen. SS-Chef Heinrich Himmler hatte Gift genommen, ebenso der Propagandist des Regimes, Joseph Goebbels, der Frau und sechs Kinder mit in den Tod genommen hatte.

Hitlers designierter Nachfolger Hermann Göring und die Mehrheit der unter seinem Einfluss stehenden Mitangeklagten gingen mit der Strategie in den Prozess, alle Schuld auf Hitler zu schieben.

Doch in der zweiten Woche des Monster-Verfahrens machte ihnen ein Österreicher einen Strich durch die Rechnung, den sie für einen der ihren gehalten hatten. Er stellte sein Insiderwissen zur Verfügung.

Erwin von Lahousen, Generalmajor der Wehrmacht, bis 1943 im Amt Ausland/Abwehr Leiter der Abteilung für Sabotage (etwa im feindlichen Hinterland) und dann an der Ostfront. Zuvor k. u. k. und Bundesheer-Offizier, hatte er seit der Übernahme in die deutsche Wehrmacht gegen die aggressiven Kriegspläne opponiert, war unter seinem Chef Admiral Wilhelm Canaris Teil des Widerstandes und bereitete das Hitler-Attentat im Juli 1944 und ein Jahr zuvor eines auf einen Flug von Hitler aus Smolensk vor.

Admiral Wilhelm Canaris
Abwehrchef Admiral Wilhelm Canaris, 1945 im KZ Flossenburg hingerichtet (Bild: Dt. Bundesarchiv)
Graf von Stauffenberg
Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Hitler-Attentäter, 1944 getötet (Bild: Dt. Bundesarchiv)

Anders als seine Mitverschwörer entkam er durch eine Frontversetzung dem Tod. In Nürnberg wurde er zum Kronzeugen gegen die Nazi-Führer. Er dachte dabei vor allem an seine hingerichteten Offizierskameraden: "Ich muss aussagen für alle, die sie ermordet haben – ich bin der einzige Überlebende." Seine Informationen waren nicht zu widerlegen. Lahousen hatte für Canaris das Dienst-Tagebuch in Kriegszeiten geführt, er hatte an entscheidenden Sitzungen mit Hitler und anderen Führenden teilgenommen. So wies er nach, dass der Krieg gegen die Sowjetunion nicht dem Kampf gegen Bolschewismus diente, sondern von Hitler und der Wehrmachtsführung als reiner Vernichtungskrieg konzipiert war.

Lahousen nannte auch Sitzungsdetails, wonach die NS-Führung 1942 zwei Millionen sowjetische Kriegsgefangene bewusst verhungern ließ. Damit konnten die Zeugenaussagen von Opfern nicht mehr bestritten werden, die Verurteilung der Kriegsverbrecher stand auf solidem Boden.

Lahousen, von Verletzungen aus den beiden Weltkriegen geschwächt, blieb noch bis 1947 in US-Gefangenschaft und zog sich dann nach Seefeld in Tirol zurück, wo er 1955 starb. Eigentlich hatte er in Linz "Heimatrecht". Seine aus Osnabrück stammenden Vorfahren, sie waren unter anderem als Pastoren und Ratsherren tätig, hatten sich 1789 in Linz angesiedelt und waren 1880 geadelt worden. Korrekt hieß der Mann Erwin Heinrich Rene Lahousen Edler von Vivremont.

 

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