Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Sogar ein beliebtes Ansichtskartenmotiv war der Balkanzug zwischen Berlin und Konstantinopel Bild: OÖN/dpa/drehscheibe

Der Balkanzug als Beweis, „dass der Sieg unser ist“

Im Jänner 1916 wartete eine mit Militärprominenz gespickte Menschenmenge auf dem geschmückten Linzer Staatsbahnhof.

Von Josef Achleitner, 25. Januar 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
Bejubelter Balkanzug
An allen Stationen wurde der Fernzug bejubelt (Bild: OÖN/dpa/drehscheibe)

Es war der Balkanzug aus Konstantinopel (heute Istanbul), der mit zweieinhalb Stunden Verspätung ankam, von der Regimentsmusik mit dem "Prinz-Eugen-Marsch" und vom Publikum mit Tücherschwenken begrüßt wurde und schon nach zweieinhalb Minuten wieder abfuhr. So wie in Linz wurde der "Trein", wie die Kollegen damals schrieben, auf der ganzen Strecke bis Berlin begrüßt.

Die Linzer "Tagespost" schrieb von der "hohen Symbolik des Ereignisses", das in den tristen Zeiten der Mangel- und Kommandowirtschaft die Menschen offenbar aufmuntern sollte.

Der Balkanzug war Ausdruck eines kurz andauernden, aber starken Optimismus vor allem unter Politikern, Militärs und Journalisten in Österreich-Ungarn und Deutschland zu Anfang des dritten Kriegsjahres. Kurz zuvor war Serbien besiegt und besetzt worden, im Jänner ergab sich das mit Serbien verbündete Königreich Montenegro den Mittelmächten, Albanien war großteils besetzt.

Franz Conrad von Hötzendorf
Österreich-Ungarns Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf. (Bild: OÖN/dpa/APA)

Es gab Überlegungen, wie man diese Länder in das Kaiserreich einbauen könnte. Die Verbindung Berlin–Konstantinopel machte den Weg ins verbündete Osmanische Reich und noch weiter frei, was Erwartungen einer wirtschaftlichen Blüte und ausgedehnter Macht auslöste. Der populäre Schriftsteller Ludwig Ganghofer sah als Gast bei der ersten Fahrt den Zug als "Triumph unserer Waffen und unserer Industrie" und als Beweis, "dass der Sieg unser ist".

Montenegro
Montenegro wurde eingekreist und überrannt. (Bild: OÖN/dpa/APA)

Wien wurde auch von den Deutschen als natürliche Drehscheibe zum Nahen Osten gesehen. Neue Güterbahnhöfe wurden geplant, auch der nun bis Bulgarien offene Schiffsverkehr sollte intensiviert werden. Pläne für einen Rhein-Main-Donau-Kanal sowie für die Verbindung der Donau zur Oder und zur Moldau kamen wieder auf die Schreibtische der Staatsplaner. Die "Frankfurter Zeitung" schrieb von Wien als einer wichtigen Brücke, die "uns so manches Mal ein Gegenstand freudiger Entdeckung" sein werde.

Erich von Falkenhayn
Conrads Kontrahent: Deutschlands Generalstabschef Erich von Falkenhayn. (Bild: OÖN/dpa/APA)

Doch in der nach außen erfolgreichen Allianz der Heere war schon der Wurm drinnen. Faktisch hatte der deutsche Generalstabschef Falkenhayn die Führung übernommen, das Armeeoberkommando unter Conrad von Hötzendorf konnte die Befehle nur weitergeben. Falkenhayn verweigerte Conrads Vorschlag einer gemeinsamen Offensive gegen Italien, die diese Front beseitigen sollte, die Zustimmung.

Propagandamotiv
Als Propagandamotiv diente der Zug ebenfalls, nach dem Motto: Der Sieg ist unser. (Bild: OÖN/dpa/drehscheibe)

Stattdessen bereitete er den Angriff auf die Maas-Festung Verdun im Westen vor, der zu einer der blutigsten Dauerschlachten der Kriegsgeschichte ohne nennenswerten Geländegewinn werden sollte. Dafür ließ Conrad, ohne die Deutschen einzuweihen, die Italiener über Südtirol angreifen.

Die großen Zukunftspläne wurden indes bald gegenstandslos.

 

Originalseite vom 21. Jänner 1916:



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