Damals/Vor 100 Jahren

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Winston Churchill

Winston Churchill bei seinem Zürich-Besuch. Diesmal mit dem obligaten Victory-Zeichen. Bild: Reuters

Churchill 1946: "Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa bauen"

Die Briten und Europa: Das ist geographisch eine selbstverständliche Einheit, politisch aber seit deren Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, heute EU) 1973 ein vertracktes Gemurkse, das nun zumindest vorläufig ein Ende findet.

Von Josef Achleitner, 27. Juni 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Dabei war der erste Politiker von Einfluss, der die Idee eines Zusammenschlusses der seit Jahrhunderten immer wieder Krieg gegeneinander führenden europäischen Staaten vorantrieb, ein Brite. Winston Spencer Churchill, zwischen 1940 und 1945 Kriegspremier in Großbritannien, dem seine Landsleute dank seiner Überzeugungskraft (anfangs alleine) in den Krieg gegen Hitlers Eroberungspläne gefolgt waren, war im Herbst 1946 nach seiner Abwahl zwar nur Oppositionsführer im Parlament, er stand aber in der westlichen Welt als Retter Europas in höchstem Ansehen. Und er verstand sich noch immer als Mitgestalter von Nachkriegseuropa.

Im Frühjahr hatte Churchill in Amerika schon vom "Eisernen Vorhang" gesprochen, der künftig Europa in eine westliche und eine sowjetische Einflusszone teilen würde. Im September dann, während eines Urlaubs in der Schweiz, sprach Churchill vor Studenten in Zürich erstmals von einem vereinigten Europa, in dem durch Zusammenschluss – vorerst Deutschland und Frankreichs – Kriege unmöglich und Frieden wie Wohlstand möglich würden.

"Es gibt ein Heilmittel, das innerhalb weniger Jahre ganz Europa frei und glücklich machen könnte. Dieses Mittel besteht in der Erneuerung der europäischen Familien, oder doch eines möglichst großen Teils davon. Wir müssen ihr eine Ordnung geben, unter der sie in Frieden, Sicherheit und Freiheit leben können. Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa errichten", so der entscheidende Teil der Rede.

 

Winston Churchill
Winston Churchill vor der akademischen Jugend in Zürich im September 1946  
Bild: cvce

 

Er forderte die Gründung eines Europarats, in dem Abgeordnete aus allen europäischen Ländern zusammenkommen sollten. Das gelang 1949 und war der Anstoß für weitere Integration, etwa 1957 für die Römischen Verträge, die dann den Weg in Richtung EWG frei machten.

Churchill berief sich bei seinen Ideen neben älteren Vorbildern auf die "Pan-Europa"-Bewegung des Altösterreichers Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, eines Onkels der früheren ORF-Korrespondentin Barbara Coudenhove-Kalergi. Der hatte 1923 auf Schloss Würting in der Gemeinde Offenhausen als Gast der Bankiersfamilie Gutmann seine Vision von "Pan-Europa" niedergeschrieben, das in der ersten Stufe einen Staatenbund von Polen bis Gibraltar zum Inhalt hatte.

 

Richard Coudenhove-Kalergi und sein Pan-Europäisches Manifest, das die Vision eines europäischen Staatenbundes enthält.

 

 

Dazugehören sollten auch die afrikanischen Kolonien der Europäer. Die Sowjetunion sollte ein eigener Bund sein, ebenso Großbritannien mit seinem Commonwealth. Ganz im Sinne des Empire-Politikers Churchill, der sein Land gemeinsam mit den USA als Förderer, aber nicht als Teilhaber des gemeinsamen Europa sah.

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