Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Bayerns Ludwig II. und Österreichs Kaiserin Elisabeth: Sie waren Cousin und Cousine und ein Leben lang eng verbunden Bild: dpa

Bayernkönig Ludwig, erfolglos als Freund und Helfer Österreichs

Die Bayern gedenken dieser Tage des 130. Jahrestages des Todes von Ludwig II., dem bizarren Märchenkönig mit seinen Prachtschlössern, die den Freistaat zu einer internationalen Touristenattraktion gemacht haben.

13. Juni 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Er ist heute beim Volk noch beliebter als zu Lebzeiten. Dies trotz seiner seltsamen Lebensgewohnheiten, der inneren Konflikte mit seiner homosexuellen Veranlagung und seiner offensichtlichen Verschwendungssucht.

Doch was hatte der 1864 mit 19 Jahren viel zu früh auf den Thron gekommene Wittelsbacher mit Österreich zu tun? Viel und viel Gutgemeintes, doch leider durchwegs ohne Erfolg. Persönlich verband ihn mit Österreichs Kaiserin Elisabeth (Sisi), seiner Cousine aus einer Wittelsbacher Nebenlinie, lebenslang ein inniges Verhältnis. Sisi war zur Zeit von Ludwigs Absetzung und Festnahme in Bayern und soll versucht haben, ihn zur Flucht nach Österreich zu bewegen.

Politisch wollte der Bayernkönig von Anfang an wie sein entschlussschwacher, an den Folgen einer Trippererkrankung gestorbener Vater die Beziehungen zum Kaiserreich deutlich verbessern. Wie König Max II. verfolgte er die Idee eines "zweiten Deutschlands" der südlichen Länder unter Führung Bayerns und eines Deutschen Bundes unter Einschluss Österreichs. Doch auch Ludwig scheiterte mit dem Vorhaben. Gegen die Raffinesse des späteren Reichskanzlers Otto von Bismarck hatte er keine Chance. Der spielte die südlichen Königs- und Fürstenhäuser gegeneinander aus und erreichte so sein Ziel, ein Deutsches Reich unter Preußens König Wilhelm I. als Kaiser.

Österreich war da schon aus dem Spiel. Bayern wollte zwischen Österreich und Preußen vermitteln, die um die Vorherrschaft im Deutschen Bund ritterten.

1866 kam es wegen eines Konflikts um Schleswig und Holstein zum sogenannten "Deutschen Krieg", der mit einem Sieg Preußens und dem Aus für Österreich im Bund endete. Ludwig musste als Verbündeter Österreichs Bismarcks Norddeutschem Bund beitreten, Reparationen leisten und sich zum militärischen Beistand für die Nordlichter verpflichten. Fünf Jahre später war es mit der Souveränität Bayerns vorbei. Wilhelm I. wurde in Versailles zum deutschen Kaiser gekrönt.

Ludwig hatte im sogenannten "Kaiserbrief" sogar den von Bismarck vorformulierten Antrag dazu gestellt, weil er als Chef des älteren Adelsgeschlechts eigentlich den Vorrang vor den preußischen Hohenzollern gehabt hätte.

Eine Zeitlang galt Ludwig deswegen sogar bei seiner Familie und bei bayerischen Patrioten als Verräter. Er selbst wollte den Brief später zurücknehmen. Doch die intrigenhaften Umstände seiner Entthronung und des Ertrinkungstodes im Jahr 1886 ließen dem Toten die Sympathien wieder zuströmen. Die Preußen waren schuld an allem, ist seither Volksmeinung. Der "Saupreiß" ist spätestens seit dieser Zeit die stets parate bayerische Hassformel für einen Norddeutschen.

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