Damals/Vor 100 Jahren

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Aufschwung bis zum Krieg: Mehr Österreicher, höhere Lebenserwartung

Bis 1914 hatte sich – trotz teilweise himmelschreiender Zustände etwa in den Fremdarbeiter-Massenquartieren in Wien – die soziale Lage der Bevölkerung in der Monarchie sukzessive verbessert.

28. April 2014 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Es gab anders als heute Geburtenüberschuss, die Sterblichkeit (vor allem bei Kindern) ging zurück.

Und es gab deutliches Bevölkerungswachstum, konkret sechs Millionen mehr Österreicher als ein Vierteljahrhundert zuvor. Deutschland, dessen Industrialisierung wesentlich schneller vor sich ging, war um 18 Millionen Menschen angewachsen. Mehr als eine Viertelmillion Österreicher verdingten sich im florierenden Deutschen Reich.

Die Deutschsprachigen waren im Vielvölkerstaat in der Minderheit und konnten auch nicht aufholen. 35,58 Prozent der Staatsbürger waren 1914 deutschsprachig, schrieb die "Linzer Tagespost" im April in einer großen Analyse auf Seite 1. Das stärkste Wachstum verzeichnete das östlichste und ärmste, heute ukrainisch-polnische Kronland Galizien. Von dort gab es auch die größte Auswanderungswelle, vor allem in die damals sehr aufnahmewilligen USA. Ein starkes Motiv neben dem Wunsch nach sozialem Aufstieg war auch die Abneigung gegen den dreijährigen Wehrdienst samt späterer Reservistenpflicht. Eine halbe Million Galizier ist zwischen 1890 und Kriegsbeginn nach Übersee ausgewandert. Die Regierung versuchte mit Passzwang und scharfen Kontrollen, den Trend zu stoppen. Vergeblich.

Oberösterreich hatte laut der Volkszählung 1900 810.854 Einwohner, bei steigender Tendenz. Die Lebenserwartung der Menschen war auch hier im Steigen, aber bei weitem noch nicht vergleichbar mit heute. So rechnete man für Österreicher, die das erste Jahr nach der Geburt überlebten, mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 55 Jahren. Ohne diese Einschränkung lag sie unter 50 Jahren, 30 Jahre vorher noch unter 40.

Ein Vergleich der Todesmeldungen gibt ein ähnliches Bild, wobei damals nicht alle Todesfälle an die Redaktionen gemeldet wurden: Am 24. April 1914 hatte die "Tagespost" 14 Todesfälle abgedruckt, der Altersdurchschnitt der Verstorbenen betrug 63,1 Jahre. Auffallend der hohe Anteil von Frauen, die mit Ende 40 oder Anfang 50 verstorben waren. Nur jeweils ein Mann hatte das 80. bzw. 90. Lebensjahr erreicht. 100 Jahre später in den OÖN zum gleichen Datum hatten die Oberösterreicher ein Alter von durchschnittlich 78 Jahren erreicht, ein gutes Drittel davon 80 bis 95 Jahre.

Mitbedacht werden muss auch der Stand der Medizin. Intensivmedizin wie heute gab es nur in Ansätzen. Herz- und Gefäßchirurgie waren, wenn überhaupt, erst in den Anfängen. Und selbst eine harmlose Blinddarmentzündung führte nicht selten zum Tod.

Originalseiten der „Tagespost“, Vorgängerzeitung der OÖNachrichten, sehen Sie hier:

24. April 1914, Seite 1
 
Bild: OÖN Archiv

 

24. April 1914, Seite 2
 
Bild: OÖN Archiv

 

 

24. April 1914, Seite 4
 
Bild: OÖN Archiv

 

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