Damals/Vor 100 Jahren

Menü
Facebook Twitter Google+ E-Mail
Damals Titelbild

Als ein linker Schwarzer und ein rechter Roter das Land führen wollten

Schon Wochen vor dem Kriegsende im Mai 1945 gab es in Linzer Privatwohnungen und Hinterstuben von Geschäftslokalen Gespräche über die Neugründung der beiden früher führenden Landesparteien, der Christlich-Sozialen und der Sozialdemokraten.

Von Josef Achleitner, 18. Mai 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Bei den Sozialdemokraten trafen sich der von der US-Besatzungsmacht zum Linzer Bürgermeister ernannte Gymnasiallehrer Ernst Koref und Ludwig Bernaschek, der Bruder des von den Nazis ermordeten einstigen Schutzbundführers Richard Bernaschek, im Hinterstüberl der Greißlerei des früheren Tagblatt-Redakteurs Alois Oberhummer. Der stark deutschnational geprägte Akademiker hatte sich nach der Stilllegung des Parteiorgans im Jahre 1934 bis Kriegsende als Kleinkaufmann über Wasser gehalten. Weil Koref mit den Nöten der Linzer und dem Wiederaufbau einer demokratischen Verwaltung ausgelastet war und Bernaschek politische Erfahrung fehlte, wurde Oberhummer Wortführer der SP in Landessachen. Er war der Ansicht, dass die SPÖ als einzige von diktatorischer Vergangenheit unbefleckte Partei den Anspruch auf die Führung hatte. Am 5. Mai gingen Oberhummer und Koref mit einer Delegation zu Bischof Josef Fließer und baten diesen um Nennung christlich-sozialer Vertreter für eine Landesregierung. Lange hielt sich die von Oberhummer initiierte Regierung nicht, wie der Historiker Roman Sandgruber über die politischen Neuanfänge in Oberösterreich schreibt. Oberhummer als Landeshauptmann, Josef Zehetner, der Gründer der Oberösterreichischen Volkspartei, als Stellvertreter und der Kommunist Josef Mitter mit im Kabinett konnten nur wenige Tage amtieren, ehe die Amerikaner eine Beamtenregierung einsetzten und bis September alle Parteien verboten.

Adolf Eigl, Josef Zehetner, Ernst Koref, Heinrich Gleißner  
Bild: Archiv

Adolf Schärf, der starke Mann der SPÖ im Bund, war erbost darüber, dass die Linzer den Bischof eingeschaltet hatten. Überdies missfiel ihm, dass rund um Bernascheks linke "Freiheitsfront" noch über eine Einheitspartei mit den Kommunisten debattiert wurde. Schärf war auch strikt gegen jede Funktion für Heinrich Gleißner, den späteren Landeshauptmann, wegen dessen führender Funktion in der Diktatur des Ständestaates.

Oberhummer wurde "Tagblatt"-Chefredakteur, musste aber schon 1946 die Führung nach Interventionen der Besatzer zurücklegen. Auf ÖVP-Seite ereilten den Initiator der Neugründung, den gebürtigen Mostviertler Zehetner, ursprünglich Mittelschullehrer, später hoher Beamter in der Jugendwohlfahrt, bald die realen Machtverhältnisse. Anfangs noch inoffizieller Landesparteichef, wurde der Verfechter einer Arbeitnehmer, Bauern und Unternehmer zusammenführenden Volkspartei links der Mitte im August entmachtet. Die Bünde, allen voran auf Jahre hinaus der Bauernbund, dominierten die Partei, ab Oktober mit dem noch nicht parteiführenden Landeshauptmann Heinrich Gleißner als Galionsfigur.

»zurück zu Damals/Vor 100 Jahren«

Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden.
Was sagen Sie zum Thema? Jetzt kommentieren

Haben Sie bereits einen Benutzernamen? Dann melden Sie sich bitte hier an.
Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort, Ihre E-Mail-Adresse und Ihre Handynummer mitteilen.
Gewünschter Benutzername
Gewünschtes Passwort
Wiederholung Passwort
E-Mail
Anrede
  Frau    Herr 
Vorname
Nachname
OÖNcard / Kundennummer (optional)
Handynummer
/

Sicherheitsfrage
Wie viel ist 43 - 10? 
Bitte Javascript aktivieren!