Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

„Organisierte“ Abschiebung in Lastenwaggons Bild: OÖN-Archiv/OÖ-Landesarchiv

Als die Volks- und Sudetendeutschen bei uns zu Feinden deklariert wurden

"Was geschieht mit den Flüchtlingen?" fragten die "Oberösterreichischen Nachrichten" im Jänner 1946 und meinten damit jene mit der gleichen Sprache.

Von Josef Achleitner, 04. Januar 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

95.000 Volksdeutsche, vorwiegend aus Jugoslawien, Rumänien und Ungarn, dazu 10.000 Sudetendeutsche waren laut US-Militärregierung in Barackenlagern, Fabrikshallen, Gartenhütten, ja sogar in Erdkellern notdürftig untergebracht. Im Land würden "die armen Heimatlosen als unerträgliche Last gesehen".

Vertreibung aus der Tschechoslowakei

In Gewaltmärschen nach Österreich und Deutschland (Bild: OÖN-Archiv/OÖ-Landesarchiv)

Willkommen waren sie nicht, die Flüchtlinge, die etwa in Siebenbürgen vogelfrei waren, in der Tschechoslowakei verfolgt und vertrieben wurden und insgesamt Teil der von den Alliierten im Potsdamer Abkommen als "Umsiedlung" aller Deutschen deklarierten Aktion waren.

Nazi-Gegner sahen sie kollektiv als verblendete Hitler-Anhänger, andere fürchteten in der kargen Nachkriegszeit einfach Konkurrenz um Brot und Lohn. Aus dem Büro von General Mark Clark, Kommandeur der US-Streitkräfte in Österreich, kam die Order, dass ab Jänner 1946 die "Displaced Persons", also die heimatlosen Flüchtlinge, als Arbeitskräfte eingesetzt würden. 

Eingeteilt wurde in zwei Kategorien: Die erste waren jene, die als "Freunde" angesehen wurden und sich freiwillig zur Arbeit melden konnten sowie bei Schwerarbeit neben dem regulären Lohn Sonderrationen an Lebensmittel ausfassen konnten. Die zweite war die Kategorie der "Feinde", die aus den bei sonstiger Kostkürzung und Verschickung in andere Lager zur Arbeit verpflichteten Volks- und Sudetendeutschen bestand.

Ankunft in Österreich
(Bild: OÖN-Archiv/OÖ-Landesarchiv)

Wie unsere Zeitung schrieben auch die anderen oberösterreichischen Medien damals kaum über die elenden Zustände in den Flüchtlingsunterkünften. Männer und Frauen wurden in vielen Fällen als Ersatz für die Zwangsarbeiter des Nazi-Regimes eingesetzt. In der Industrie ersetzten diese Flüchtlinge neben den Zwangsarbeitern auch die als Arbeitskräfte fehlenden Kriegsgefangenen. Nach deren Rückkehr sollte die Aufenthaltsbewilligung der deutschen Flüchtlinge erlöschen, hieß es.

Lager für „Displaced Persons“
(Bild: OÖN-Archiv/OÖ-Landesarchiv)

Man rechnete in Oberösterreich damit, dass der Großteil der ausgesiedelten Deutschen gemäß dem US-Repatriierungsprogramm in die US-Zone in Deutschland weitersiedeln würde. Währenddessen liefen in der Tschechoslowakei und in Polen die nicht selten zu wilden Vertreibungen ausartenden Umsiedlungsaktionen weiter.

Heimatlosen-Siedlung in Haid/Ansfelden
(Bild: OÖN-Archiv/OÖ-Landesarchiv)

Unsere Zeitung berichtete von einem – abgelehnten – Antrag des Bischofs von Chichester im britischen Oberhaus, in dem dieser verlangte, der Wirtschaftsrat der Vereinten Nationen solle die Umsiedlung überwachen. Die "Rückführung der Deutschen und ihre Anhaltung in Lagern unterscheide sich nur geringfügig von den Massendeportationen", für welche die Naziführer in Nürnberg vor Gericht stünden.

 

Die Originalseite der OÖNachrichten vom 29. Jänner 1946:



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