Damals/Vor 100 Jahren

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Originalbericht aus den OÖN Bild: OÖN

Als Österreich ein letztes Mal versuchte, Südtirol zurück zu bekommen

Ausgehend von Südtirol, wo sich nach Kriegsende 1945 die Südtiroler Volkspartei als Sammelbewegung der Deutschsprachigen konstituiert hatte, ergriff in dieser Zeit eine Euphorie ganz Österreich.

Von Josef Achleitner, 28. Dezember 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Südtirol, das 1919 als Belohnung für den Frontwechsel von den Alliierten Italien zugeschlagen worden war und wo die Bevölkerung unter der massiven Italianisierung durch das Mussolini-Regime gelitten hatte, sollte wieder zu Österreich kommen.

Die "Oberösterreichischen Nachrichten" berichteten von Versammlungen, in denen diese Forderung aufgestellt wurde und von einschlägigen Aussagen der Staatsführung unter Karl Renner und Leopold Figl.

"Man gebe uns unser Südtirol zurück, das vor Gott und der Welt zu uns gehört und uns aus Kriegserwägungen 1919 entzogen wurde", sagte der Sozialdemokrat Renner in seiner letzten Rede als Staatskanzler vor dem neuen Parlament. Der gewählte Bundeskanzler Leopold Figl von der ÖVP ließ gegenüber ausländischen Zeitungen ebenfalls keinen Zweifel an seinen Erwartungen. Die ursprüngliche Forderung, das ebenfalls zum alten Österreich gehörende italienischsprachige Welschtirol (Trentino) zu bekommen, hatte man fallen gelassen.

Originalbericht aus den OÖN  
Bild: OÖN

155.000 Südtiroler unterschrieben bis April 1946 für die Wiedervereinigung, das sollte die Regierung gegenüber den Alliierten stärken. Doch die hatten anderes im Sinn, wie dem führenden Verhandler Karl Gruber bald klar wurde. Italien hatte als Folge des Krieges Istrien sowie die Städte Fiume und Zara verloren und sollte nicht noch mehr bestraft werden. Österreich war als besetztes Land kein gleichwertiger Gesprächspartner. Gruber kam nach der Zusicherung autonomer Grundrechte durch die Alliierten und nach Verhandlungen mit Italiens Außenminister Alcide De Gaspari nicht mit der Selbstbestimmung sondern mit einem Autonomiestatut zurück. Österreich wurde als Schutzmacht anerkannt und durfte den Fall auch international vorbringen, was der damalige Außenminister Bruno Kreisky 1960 vor der UNO auch tat. Hunderte Bombenanschläge von Südtirol-Aktivisten, anfangs ohne Opfer, später mit 21 Toten, hatten eine Lösung unausweichlich gemacht.

Die Autonomie, die bis dahin von Rom immer wieder verzögert worden war, wurde nach Kreiskys Auftritt forciert. Verwaltung und Sicherheitsbehörden waren immer noch zu 90 Prozent italienischsprachig gewesen. 1972 trat das zweite Autonomiestatut als italienisches Verfassungsgesetz in Kraft. 20 Jahre später sah auch Österreich den Streit als beigelegt und das "Südtirol-Paket" als erfüllt an.

Seither ist die Rückkehr nur eine theoretische Frage. Südtirol profitiert von der Nähe zu Österreich und von den günstigen Finanzbedingungen in Italien gleichermaßen, und dank EU gibt es zu Nordtirol keinen Grenzbalken mehr.

3. Außenminister Karl Gruber mit dem legendären Südtiroler Landeshauptmann Silvius Magnago  
Bild: OÖN

Außenminister Karl Gruber mit dem legendären Südtiroler Landeshauptmann Silvius Magnago

4. Außenminister und Vizekanzler Alois Mock übergab 1992 die Streitbeilegungs-Erklärung zur Südtirol-Autonomie an den italienischen Botschafter Alessandro Quaroni.  
Bild: OÖN

Außenminister und Vizekanzler Alois Mock übergab 1992 die Streitbeilegungs-Erklärung zur Südtirol-Autonomie an den italienischen Botschafter Alessandro Quaroni.

1. Österreichs Verhandler Karl Gruber (re.) mit seinem italienischen Amtskollegen, Außenminister Alcido De Gaspari  
Bild: OÖN

Österreichs Verhandler Karl Gruber (re.) mit seinem italienischen Amtskollegen, Außenminister Alcido De Gaspari
 

Das Gruber-De-Gaspari-Abkommen zu Südtirol im Original  
Bild: OÖN

Das Gruber-De-Gaspari-Abkommen zu Südtirol im Original

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