Damals/Vor 100 Jahren

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Premier Harold Wilson setzte das Referendum an. Bild: dpa

Als Margaret Thatcher im Europa-Pulli gegen den Austritt kämpfte

Das gemeinsame Europa und die Frage, ob Großbritannien dazugehört, ist auf der Insel nicht zum ersten Mal Gegenstand eines Referendums.

Von Josef Achleitner, 20. Juni 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Vor 41 Jahren stand Harold Wilson vor einem ähnlichen Problem wie David Cameron in den vergangenen Jahren: Wilsons Labour Party war zwei Jahre nach dem Beitritt zur damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mindestens so heillos zerstritten wie die Konservativen heute in der EU-Frage.

Wilson, der selbst den Beitrittsantrag gestellt hatte, versprach in dieser Situation im Wahlkampf gegen den konservativen Premier Edward Heath, er werde sich für Nachverhandlungen einsetzen. Wilson gewann die Wahl und setzte für den 5. Juni 1975 eine Volksabstimmung an. Dafür musste ein eigenes Gesetz beschlossen werden, denn dieses demokratische Instrument gab es davor im traditionsreichen britischen Parlamentssystem nicht.

Wie nun Cameron gab auch Wilson seinen Ministern freie Hand, auch für den Austritt zu kampagnisieren. Er selbst und die Mehrheit der sozialdemokratischen Führung warben für den Verbleib. Auch die Liberalen und vor allem die Konservativen führten eine intensive Kampagne für Brüssel. Margaret Thatcher, die spätere "Eiserne Lady" , hatte gerade in einem erbitterten Kampf Edward Heath in der Parteiführung abgelöst und trommelte mit dem ihr eigenen Elan für die EWG. Wenn man ihre Auseinandersetzungen als Premierministerin mit Brüssel kennt ("Ich want my money back"), ist das heute kaum zu glauben.

Thatcher trat im Wahlkampf mit einem Europa-Pulli auf, der die Flaggen aller damaligen Mitgliedsländer zeigte. Sie lobte die EWG (auch EG) als Europas Friedensprojekt und warnte vor den wirtschaftlichen Folgen eines Austritts. Auch könnte ein solcher zu Lebensmittelknappheit führen, so Thatcher. In ihren Memoiren wollte Thatcher diese Zeit am liebsten vergessen machen. Ihr sei der Verlust an Souveränität für die Insel nicht genug bewusst gewesen, schrieb sie.

Für Großbritannien waren die 1970er Jahre, völlig anders als für Kontinentaleuropa, wirtschaftlich deprimierend. Steigende Rohölpreise, hohe Inflation und der Verlust privilegierter Marktzugänge in Ex-Kolonien hatten tiefe Verunsicherung bei den Briten verursacht.

Anders als jetzt, wo vor allem Boulevardzeitungen heftig gegen die EU polemisieren und den Austritt bewerben, war damals praktisch die gesamte britische Presse für die EWG. Nur ein kleines kommunistisches Blatt zeigte sich europaskeptisch. Geschlossen waren auch die britische Wirtschaft und die Staatskirche pro EWG.

Der Ausgang der Abstimmung war deutlich: 67,2 Prozent Ja-Stimmen, 32,8 Prozent Nein-Stimmen. Wilson glaubte, die Frage, ob die Briten zu Europa gehörten, sei nun endgültig geklärt. Er sollte sich täuschen. "Maggie" Thatcher, einmal an der Macht, sollte den Europäern noch jede Menge Probleme bereiten. Der "Briten-Rabatt" war nur eines davon.

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