Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Schah Reza Pahlevi bei der Hochzeit mit Farah Diba 1959 Bild: OÖN/Nadar

Alles will nach Teheran: Warum Österreich im Iran traditionell angesehen ist

Kaum war die Einigung mit dem Iran im Atomstreit perfekt, da setzte auch das Rennen um den sanktionsbedingt jahrelang verschlossenen persischen Markt im Land mit den riesigen Gas- und Ölvorkommen ein.

Von Josef Achleitner, 27. Juli 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Deutschlands Vizekanzler Sigmar Gabriel war der erste, der im Mullahstaat dafür warb, wieder stärkster Handelspartner des Iran zu werden. Frankreich und EU-Spitzen zieht es nach Teheran. Österreich setzte mit einer Wirtschaftskonferenz in Wien nach. Und Bundespräsident Heinz Fischer fliegt im September mit einer Wirtschaftsdelegation in den Iran, wo Österreicher seit langem gerne gesehen sind. Wien wurde nicht zufällig Schauplatz der Atomverhandlungen: Die Iraner haben die traditionell gute Behandlung durch Österreich nicht vergessen.

Wie immer in der Politik, spielten dabei gemeinsame Interessen eine große Rolle. Der Iran war im 16. Jahrhundert im Südosten das, was Österreich im Norden war: Grenzstaat zum Osmanischen Reich, das damals Expansion, das heißt Konflikte, suchte. 1754 wurde in Wien die Orientalische Akademie gegründet, die wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Persien und Österreich antrieb. Von Wien aus verbreitete sich die reiche orientalische Literatur über Europa.

 
Schah Nasreddin, der 1873 Österreich besuchte
Bild: OÖN/Nadar

Im 19. Jahrhundert waren Österreicher mit wechselndem Erfolg an der Modernisierung beteiligt. 1873 kam Schah Nasreddin zur Weltausstellung nach Wien. Er machte per Bahn auch kurz Station in Linz, unsere Vorgängerzeitung "Tagespost" berichtete von seinem schwer diamantbesetzten Ornat. Auf solche Pracht verzichtete Nasreddin nicht einmal, als er mit Kaiser Franz Joseph auf Jagd ging. Von der Weltausstellung selbst war der Schah nicht allzu begeistert, dafür holte er sich Experten für den Aufbau des Münz- und Postwesens und der Armee. Die Militärs aus Österreich gaben nach drei Jahren aber großteils auf, weil Geld fehlte und die Russen mit einem von ihnen finanzierten persischen Kosakenkorps mehr Erfolg hatten. Zuvor schon hatte der österreichische Arzt Jakob Eduard Polak die moderne Medizin in Teheran eingeführt. Er war bald auch Leibarzt Nasreddins geworden.

In den 1960er- und 1970er-Jahren prägte Schah Reza Pahlevi das Bild in den Medien. Besonders seine dritte Ehe mit der schönen Farah Diba füllte die Blätter, später dann Berichte über Demonstrationen gegen ihn. Reza Pahlevi war oft in Österreich, auch in Linz. Von damals stammt die Anekdote, wonach der Schah mit der Pöstlingbergbahn fuhr und der Schaffner wie immer die Station Schableder so ausrief, dass sie wie "Schah bleder" klang.

Nach dem Sturz Rezas behielt Österreich anders als andere westliche Länder die diplomatischen Beziehungen zu Teheran bei und ließ auch das dortige Kulturinstitut in Betrieb. Gleichzeitig gab es Aktionen wie die Belieferung beider Parteien im Iran-Irak-Krieg durch die Verstaatlichte, die Österreich in ein moralisch bedenkliches Licht rückten.

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