Damals/Vor 100 Jahren

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Aleppo, ein Rückblick: Der Stolz von Muslimen und Christen

Aleppo ist befreit, triumphiert Syriens Diktator. Er hofft noch immer, in absehbarer Zeit den Großteil Syriens nach fünf Jahren Bürgerkrieg wieder in die Hand zu bekommen. Der Blutzoll war enorm, das Leid der Überlebenden ebenfalls, besonders das der zuletzt eingeschlossenen 50.000 Menschen.

Von Josef Achleitner, 19. Dezember 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Die Stadt, seit fast 5000 Jahren ein Zentrum des Handels zwischen Ost und West, seit Jahrhunderten Stolz der Muslime, aber auch der Minderheit der Christen, liegt im Schutt. Die Zitadelle, eine der ältesten und größten Befestigungsanlagen der Welt - die ersten Bauten gehen auf das dritte Jahrtausend vor Christus zurück -, ist zwar stark beschädigt, aber in ihrer Kernsubstanz wiederherstellbar.

Anders der historische Basar, der zuvor das größte überdachte Marktviertel der Welt war: Die Anlage, die wie die gesamte Altstadt samt der Zitadelle zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, ist schon im September 2012 durch ein Großfeuer nach einem Bombardement völlig zerstört worden. Mit ihr zwei alte Moscheen. Aleppo war seit der Antike wirtschaftlich stark. Ein Rest davon ist die Fabrikation von Aleppo-Seife auf Olivenbasis, die noch heute in alle Welt verkauft wird.

Die Stadt war bis 700 nach Christus christlich. In dieser Region wurden die Jünger Jesu erstmals Christen genannt. Hier wurden die teilweise noch heute gültigen christlichen Riten und die Lehre entwickelt. Und mit Antiochia, das Ende der 1930-er Jahre der Türkei zugeschlagen wurde, hatten die Christen auch ihr erstes christliches Zentrum.

Das Zusammenleben mit der muslimischen Mehrheit im Mittelalter war alles andere als konfliktfrei. Die europäischen Kreuzfahrer, die Jerusalem christlich halten wollten, erwarteten von den Glaubensgenossen in Syrien Hilfe - doch diese saßen zwischen den Stühlen, wollten sie doch weiter hier leben. In Aleppo wollten Kreuzfahrer in den Jahren 1098 und 1124 die Festung überrennen, doch sie scheiterten jedes Mal.

Von 1517 bis 1918 war ganz Syrien Teil des Osmanischen Reiches, das in Religionsfragen bemerkenswert offen war. Das führte dazu, dass sich aus der Christenminderheit heraus eine wohlhabende Mittel- und Oberschicht bildete, die auch politisch Einfluss hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg waren fast 30 Prozent der Syrer Christen, vor dem Bürgerkrieg noch an die zehn Prozent. Die Flucht vor den radikal-islamistischen Rebellen hat seit 2011 die Zahl der Christen dann noch um einige Zehntausend Christen sinken lassen.

Das seit den 1970-er Jahren regierende Assad-Regime, das religiös zu den Alawiten zählt, hatte Religionsfreiheit gewährt. Deshalb sitzen die verbliebenen Christen zwischen allen Stühlen: Präsident Assad möchte sie für sich vereinnahmen, was sie noch mehr zur Zielscheibe der Islamisten macht. Von Saudi Arabien finanzierte radikalislamische Missionare und Muslimbrüder hatten ab 1960 das Klima zwischen den Religionsgemeinschaften vergiftet.

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