Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild
EICHMANN-HISTORY-HOLOCAUST

Eichmann beim Prozess vor dem Bezirksgericht Jerusalem in Israel Bild: APA/EPA/Privat

Adolf Eichmann und Papa Gruber: Der NS-Verbrecher und der Widerständler

Dieser Tage haben uns die Medien zwei Oberösterreicher ins Gedächtnis gerufen, die nicht unterschiedlicher sein könnten und in deren Lebensgeschichte der Gegensatz zwischen unvorstellbaren Verbrechen und mutigem Widerstand konkret wird.

Von Josef Achleitner, 01. Februar 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort
Gnadengesuch
Seite aus dem Gnadengesuch Eichmanns. (Bild: APA/EPA/Privat)

Auf der einen Seite der in Linz aufgewachsene SS-Mann Adolf Eichmann, Organisator der tödlichen, millionenfachen Judendeportationen, auf der anderen Seite der katholische Geistliche und Leiter der Blindenanstalt Linz, Johann Gruber, der 1944 wegen Widerstands in Gestapohaft vom Leiter des Lagers Gusen mit 17 Bajonettstichen schwer verletzt und schließlich zu Tode getreten wurde.

Israels Präsident Reuven Rivlin hat 55 Jahre nach dem Aufsehen erregenden Prozess gegen Eichmann das nach dem Todesurteil an Staatschef Yitzak Ben Zvi gerichtete und abgelehnte Gnadengesuch veröffentlicht. In dem Schreiben wiederholte Eichmann seine in der Verhandlung vorgebrachte Rechtfertigung, er sei "lediglich Instrument der Führung" gewesen.

Eichmanns gefälschter Pass
Als Ricardo Klement flüchtete Eichmann mit einem über das Rote Kreuz organisierten Pass nach Südamerika. (Bild: APA/EPA/Privat)

"Banalität des Bösen" nannte die US-Politologin Hannah Arendt die Auslassungen des "gedankenlosen" Schreibtischtäters, an dem sie nichts Dämonisches finden konnte. Inzwischen wissen Historiker, dass Eichmann dieses entlastende Bild in intensiver Vorbereitung geschaffen hat. Denn in einem auf 72 Tonbändern festgehaltenen Interview mit dem niederländischen Ex-SS-Journalisten Willem Sassen setzte Eichmann noch 1957 nicht zur Entlastung an, sondern zum Bekenntnis:

Der junge Eichmann
Eichmann als junger Mann in Linz. (Bild: APA/EPA/Privat)

"Ich war kein normaler Befehlsempfänger, dann wäre ich ein Trottel gewesen, sondern ich habe mitgedacht, ich war ein Idealist gewesen." Überdies meinte er: "Befriedigt" wäre er gewesen, "hätte man alle 10,3 Millionen Juden getötet".

76 Jahre dauerte es, bis jetzt nach der Verurteilung durch ein NS-Gericht wegen Widerstandes auch jene wegen eines angeblichen Sittlichkeitsdelikts gegen den Priester Johann Gruber getilgt wurde. Auch dieses Urteil sei politisch motiviert gewesen, um das NS-Unrechtsregime aufrechtzuerhalten.

Johann "Papa" Gruber
(Bild: Kirchenzeitung)

Gruber, begeisterter Reformpädagoge, geriet im Waisenhaus mit konservativen, haushaltsführenden Ordensschwestern in Konflikt, was den später zurückgenommenen Vorwurf der unsittlichen Berührung einer Schwester auslöste.

Eichmann in Argentinien
Eichmann als Herr Klement in Argentinien. (Bild: APA/EPA/Privat)

Später, an der Blindenanstalt, überwarf er sich mit traditionell unterrichtenden Lehrern, von denen einer mit geköderten Aussagen die Denunziation des Anti-Nazis betrieb.

Wegen seiner dauernden Berufungen gegen das Urteil nahm die Staatspolizei Gruber in Schutzhaft, erst im KZ Dachau, dann in Mauthausen, schließlich in Gusen. "Papa Gruber" nannten ihn Mitgefangene, weil er als Pfleger heimlich Medikamente verschaffte und dann als "Museums-Kapo" in Gusen mit eingeschleustem Geld Häftlingen half. Bis ein Verbindungsmann einen Brief an den Bischof über die KZ-Verhältnisse in der Tram in Linz liegen ließ...

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