Damals/Vor 100 Jahren

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1989: Nach den friedlichen Revolutionen kam die blutige in Rumänien

Heute vor 25 Jahren versuchte der kommunistische rumänische Diktator Nicolae Ceausescu zu retten, was nicht mehr zu retten war.

Von Josef Achleitner, 22. Dezember 2014 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Seit sich ab 16. Dezember im westrumänischen Temesvar Proteste gegen die vom Regime verfügte Versetzung des populären protestantischen Pastors Laszlo Tökes zu landesweiten Demonstrationen gegen den Diktator ausgewachsen hatten, wackelte die Macht des Conducators trotz brutaler Gegenaktionen der Armee und von Teilen der Geheimpolizei.

Eine Volksversammlung vor dem Haus des kommunistischen Zentralkomitees in Bukarest sollte die Gemüter beruhigen, doch Ceausescu hatte die Lage völlig verkannt. Auf seine Versprechungen hin, die seit Jahren katastrophale Lebensmittelversorgung zu verbessern, gab es Pfeifkonzerte unter den 110.000 Anwesenden. Er kam nicht mehr zum Reden und floh mit seiner Frau Elena in einem Helikopter – dessen Piloten bereits mit den Revolutionären im Bund waren. Die Ceausescus wurden in die Militärgarnison Tirgoviste nahe der Hauptstadt gebracht, am 25. Dezember in einem (über Internet in Ausschnitten um die ganze Welt gegangenen) obskuren Schnellverfahren zum Tode verurteilt und durch Erschießen hingerichtet. Inzwischen hatten bereits der im Geheimen auf Distanz zum Ceausescu-Clan gegangene Kommunist Ion Iliescu und seine "Nationale Rettungsfront" die Macht übernommen.

Iliescu hält an seiner These fest, dass es sich um einen spontanen Volksaufstand gehandelt habe. Doch das wird von Historikern stark bezweifelt. Ceausescu hatte in seinen späten Jahren ein so rigides System der Überwachung und Bestrafung angeordnet, dass der systematische Aufbau einer Opposition trotz der großen Unzufriedenheit unmöglich wurde. Die Geheimpolizei Securitate hatte bis zu 700.000 Informanten in allen Lebensbereichen. Kritikern drohten Folter und Tod, Angehörige der deutschen Minderheit konnten oder mussten sich durch die BRD auskaufen lassen.

Als wahrscheinlicher gilt die These, dass Ceausescu-Gegner in der Securitate gemeinsam mit westlichen und östlichen Geheimdiensten die Revolution angezündet haben. Jedenfalls hemmte Iliescu in den folgenden Jahren die demokratische Entwicklung. Viele Rumänen machen ihn für die heute noch grassierende Korruption im Lande verantwortlich.

Die blutige Revolution mit mehr als 1000 Toten hat auch die kommunistischen Nachzügler in Österreich aufgeweckt. Bis zuletzt ließ die KPÖ in ihrer "Volksstimme" für Ceausescu schreiben. Dann riss dem Oberösterreicher Erich Feichtinger, der als Schlussdienstmann Artikel austauschen konnte, der Geduldsfaden. Unter dem Titel "Betroffen" schrieb er sich die Reue über die falsche Berichterstattung von der Seele.

Originalseiten der OÖNachrichten dazu lesen Sie hier:



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