Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

1986: Jörg Haiders Sprung nach oben brachte den Helfern wenig Glück

Der Jubel vom 12. September 1986 war eine Woche später schon verklungen.

Von Josef Achleitner, 19. September 2016 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Am Sonntag davor hatten ob der Erfolglosigkeit der FPÖ in der rot-blauen Koalitionsregierung frustrierte und eher dem nationalen als dem rechtsliberalen Flügel angehörige Kärntner und Oberösterreicher einen Coup gelandet.

Der 1986 abgewählte FPÖ-Obmann Norbert Steger im Sommer 2016 als Stiftungsrat bei der Wahl des ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz, dessen Vater übrigens Funktionen in der FPÖ innehatte.

(Der 1986 abgewählte FPÖ-Obmann Norbert Steger im Sommer  2016 als Stiftungsrat bei der Wahl des ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz, dessen Vater übrigens Funktionen in der FPÖ innehatte.)

 

Vizekanzler Norbert Steger wurde als FPÖ-Obmann abgewählt, der aus Oberösterreich stammende Kärntner Landesobmann Jörg Haider an seiner statt an die Spitze gestellt. Doch aus der erhofften Fortsetzung der Regierungsbeteiligung wurde nichts. Anders als Haider und der Regisseur des Coups, der Schwanenstädter Rechtsanwalt Norbert Gugerbauer, versichert hatten, war für den Kanzler Franz Vranitzky Rot-Blau nur mit Steger vorstellbar. Haiders wiederholte Koketterien mit der NS-Vergangenheit sah Vranitzky als gefährlich für den nach der Waldheim-Affäre angeschlagenen Ruf Österreichs. Vranitzky erreichte Neuwahlen, bei denen die FPÖ doppelt so stark wurde wie 1983. Die Koalition machten SPÖ und ÖVP.

Über Österreich hinaus bekannt wurde das Jubelbild vom FPÖ-Parteitag: Haider wird von zwei Anhängern auf den Schultern getragen.

Haider nach der Wahl beim Innsbrucker Parteitag. Links getragen von Siegfried Kampl, rechts von Reinhart Gaugg.

Den Trägern hat der von Wahl zu Wahl steigende Erfolg wenig Glück gebracht. Beide sind nicht mehr in der FPÖ. Reinhart Gaugg musste nach einer Blitzkarriere, die ihn von der Klagenfurter Stadtregierung über den Landtag bis zur Klubspitze im Parlament führte, 2002 wegen einer Alkoholfahrt alle Ämter zurücklegen. Erfolglos stritt er um eine Entschädigung durch die Partei. 2010 meldete er Privatkonkurs an. Siegfried Kampl, der lange Bürgermeister der Gemeinde Gurk war, ging als jener Politiker in die Geschichte ein, der wegen mangelnder Distanz zum NS-Regime nicht Chef des Bundesrats werden durfte. 2014 warf ihn die FPÖ hinaus, nachdem er gesagt hatte: "Nur von dem, was sie gemacht haben, distanziere ich mich, nicht vom Nationalsozialismus".

Norbert Gugerbauer, der Regisseur von Innsbruck, hat sich ganz aus der Politik zurückgezogen.

Norbert Gugerbauer als Spitzenkanddiat bei der Nationalratswahl 1990.

Er ist international vernetzter und anerkannter Kartellrechtsexperte mit Kanzlei in Wien, juristischer Fachautor und seit zehn Jahren Honorarprofessor für Wettbewerbsrecht an der JKU in Linz. Obwohl wie Haider aus einem Haus mit NS-Vergangenheit kommend und mit ihm von Jugend an befreundet, goutierte er als FPÖ-Generalsekretär bis 1988 den scharf populistischen Kurs nicht, er trat ab, wurde dann über die Landespartei noch Klubobmann im Parlament, unglücklicher Bundes-Spitzenkandidat 1990, ehe er 1992 genug von den Haider-Attacken hatte und sich bei einer Klausur – durch das Fenster, um Medienfragen zu entgehen – aus der Politik verabschiedete. 2002, nach dem Eklat um die Koalitionssprengung der FPÖ in Knittelfeld, wurde er noch einmal im Hintergrund gegen die Koalitionsgegner aktiv.

 

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