Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Zehntausende vertriebene Volksdeutsche landeten in Linz Bild: Nordico

1945: Die bitteren Anfänge der Schulen nach sieben Jahren Nazi-Prägung

Von Josef Achleitner, 14. September 2015 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Ein kleiner Rückblick auf den Wiederaufbau der oberösterreichischen Schulen nach sieben Jahren nationalsozialistischer Diktatur und sechs Jahren Krieg ist hilfreich dabei, unseren aktuellen Bildungsstreit als Jammern auf hohem Niveau zu erkennen. Im Sommer und Frühherbst 1945, drei Monate nach Kriegsende, begann man etwa in der nach 22 größeren Bombenangriffen zu mehr als der Hälfte beschädigten und in großen Teilen zerstörten Stadt Linz wieder Luft zu holen. Die von den US-Streitkräften zur Information und Demokratisierung gegründeten "Oberösterreichischen Nachrichten" sollten bald als "Unabhängiges Tagblatt österreichischer Demokraten" einem Gremium aus ÖVP-, SPÖ- und KPÖ-Politikern zur Herausgabe übergeben werden, ehe sie in private Hände kamen.

Bombenschäden an der Khevenhüller-Schule in Linz
Bild: Archiv Khevenhüller-Gymnasium

Mitte September meldeten die Kollegen von damals treffend: "Ab Montag: Neues Schuljahr – neues Leben". Wie wahr! Im Spätherbst 1944 hatte das durch Kriegseinsätze ohnehin schon löchrige reguläre Schulleben zu existieren aufgehört, es wurde nur noch sporadisch unterrichtet. Der Großteil der Lehrer war in die Wehrmacht eingezogen. Oberstufenschüler wurden in den Reichsarbeitsdienst (RAD) beordert, eine Art vormilitärischer Schulung. Später setzte man die blutjungen Menschen als Flakhelfer beim Volkssturm ein. Viele kamen dabei zu Tode.

Die Caritas organisierte Kindererholungs- fahrten
Bild: Rafferzeder

Über den Sommer 1945 waren die noch bestehenden Schulen notdürftig hergerichtet worden, viele hatten als Lazarette oder für andere kriegswichtige Zwecke gedient. Die Gebäude wurden desinfiziert, im September konnte ein Teil der Fenster wieder verglast werden: "Glas kommt nach Linz", jubelten die "Nachrichten" über eine von der Bundesregierung arrangierte Lieferung aus der Tschechoslowakei. Nahrung war rationiert, genauso Brennholz für den Winter.

Die größte Aufgabe aber war die Umpolung der von der NS-Ideologie verhetzten Gehirne der jungen Menschen. Sieben Jahre lang war "Heil Hitler" der verpflichtende Gruß gewesen. Geographie, Biologie und die anderen Fächer waren dazu verwendet worden, die menschenverachtende Denkweise des Hitlerregimes über die "Herrenrasse" und "minderwertige" andere einzutrichtern. In Österreich adaptierte man 1945 die Schulbücher von 1928 und verteilte sie in Heftform. Die demokratischen Ideale der Freiheit und Gleichheit der Menschen sollten das Bisherige ersetzen.

Die Umstände waren hart: Es gab Barackenschulen, wegen der vielen Flüchtlinge im Land, darunter zehntausende volksdeutsche Vertriebene, gab es Klassen mit bis zu 80 Schülern. Und es gab massiven Lehrermangel. 70 Prozent der Mittelschullehrer waren von den US-Besatzern als belastete Nationalsozialisten entlassen worden, in den Pflichtschulen mussten 60 Prozent der Lehrer gehen. Viele Lehrer waren im Krieg gefallen, ebenso befanden sich viele noch in Gefangenschaft.

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