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Wird Bildung vererbt?

Bildung wird vererbt: Dieser Satz hat in der österreichischen Bildungspolitik einen Fixplatz.

Die Bildungsministerin will zum Beispiel ihre Geldzuwendungen an Schulen in Zukunft an einen Sozialindex binden. Schulen, die einen höheren Anteil an Kindern aus ärmeren, sogenannten bildungsfernen Schichten betreuen, sollen mehr Geld bekommen.

Auf den ersten Blick wirkt das plausibel. Man soll allerdings kritisch nachfragen, woher die zusätzlichen Mittel kommen werden. Gibt es mehr Geld vom Finanzminister oder wird es anderen Schulen weggenommen, die dann gezwungen wären, Sparprogramme zu fahren? Das halte ich nämlich für eine weniger gute Idee.

Eine weitere Strategie des sozialen Ausgleichs besteht darin, bei der Messung der Bildungsstandards einen sogenannten fairen Vergleich zu machen: Schulen und Klassen mit mehr Akademikerkindern werden nach härteren Kriterien gereiht als solche mit wenigen. Auf den ersten Blick wirkt auch diese Art von sozialem Ausgleich irgendwie gerecht. Versetze ich mich allerdings in meine eigene Schulzeit am Rieder Gymnasium zurück, dann stellt sich Unbehagen ein.

Meine Eltern waren einfache Leute. Aber ich hätte es als Beleidigung empfunden, wenn meine Leistungen nach milderen Kriterien beurteilt worden wären als die meiner Schulfreunde aus höheren sozialen Milieus. Bei mir wäre das so angekommen: Die Tochter vom Arzt, der Sohn vom Notar, die bringen einfach mehr als du armes Würschtl aus der bildungsfernen Schicht. Von dir und deinesgleichen erwarten wir von vornherein nicht so viel.

Sozialer Ausgleich, zusätzliche Mittel und Förderungsmaßnahmen für Benachteiligte, das mag ja alles gut gemeint sein. Man soll aber dabei mit Fingerspitzengefühl vorgehen. Die wohlwollende Geste sozialer Fürsorge kann auch demütigend sein. Und umgekehrt betrachte ich den Satz "Bildung wird vererbt" auch den Schülern gegenüber als Beleidigung, deren Eltern Besserverdiener und/oder Akademiker sind. Auch sie müssen sich in der Schule anstrengen und ihre Leistungen ehrlich erbringen. "Vererbt" wird da gar nichts.

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Artikel Christian Schacherreiter 17. November 2016 - 00:04 Uhr
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