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Monsterjagd in Braunau

Ideen für eine angemessene Verwendung des Hitler-Geburtshauses in der Salzburger Vorstadt.

Adolf Hitlers Geburtshaus ist für die Braunauer bekanntlich eine politische Dauersorge. Was immer man auch andenkt – von einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus über eine soziale Zweckwidmung bis hin zum Abbruch –, die Gefahr, dass die besten Absichten unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen, kann man nie ganz ausschließen. Wenn es um die Verteidigung nationalsozialistischer Kultstätten geht, können nämlich rechtsradikale Kreise, die sonst eher selten durch kreative Intelligenz auffallen, erstaunlich einfallsreich sein.

Bisher dachte ich immer, am besten wäre vielleicht eine banale Lösung, die jeden Neonazi-Zauber von vornherein der Lächerlichkeit preisgibt, zum Beispiel ein Wettbüro für bedingt seriöse Sportwetten in Balkanländern oder ein Billigladen für WC-Zubehör, vom Türschild "Gackhäusl" bis zur Klobürste. Kürzlich ist mir allerdings eine Idee gekommen, von der ich nicht recht weiß, ob sie mehrheitsfähig sein könnte. Aber ich riskiere es und "sag das jetzt einfach mal so" – wie das unser deutscher Nachbar so treffend formuliert.

Mit Staunen habe ich beobachtet, dass sich das eher kindische Computerspiel Pokemon Go auch unter mündigen Menschen, die sonst einigermaßen bei Trost sind, geradezu seuchenartig ausbreitet. Die Monstersuche an realen Orten übt eine seltsame Faszination aus. – Und da hatte ich eben diese Idee, Hitlers Geburtshaus als Pokemon-Go-Ort einer angemessenen Verwendung zuzuführen. Wo sonst passen Monster besser hin?! Im Keller verstecken sich Goebbels und Himmler, in der Speisekammer rülpst der verfressene Göring und Eichmann glotzt aus dem Besenkammerl heraus.

Ich hätte auch allerlei Ideen, wie man als Spieler mit diesen Monstern verfahren könnte ... Aber vielleicht sollte man auch freundliche digitale Umgangsformen mit den Nazi-Bonzen ermöglichen. Die Übermittlung solcher Daten zum Verfassungsschutz, die bei dieser App leicht möglich ist, stößt dort sicher auf Interesse. Aber vielleicht ist die Idee mit dem Gackhäusl-Zubehör doch die bessere. Pokemon Go wird bald wieder verschwinden. Toiletten wird man noch länger brauchen.

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Artikel Christian Schacherreiter 11. August 2016 - 00:04 Uhr
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