07. September 2017 - 00:04 Uhr · Christoph Kotanko · Unser Innviertel

Land in Sicht

Der Großteil der Wähler lebt nicht in Wien. Das haben die Bundespolitiker verstanden.

Zuerst Sebastian Kurz, jetzt Christian Kern, und Heinz-Christian Strache kommt ohnehin regelmäßig vorbei: Das Innviertel erlebt dieser Tage einen Auftrieb von Spitzenpolitikern aus Wien.

Der ÖVP-Hoffnungsträger Kurz startete am 30. August am Stadtplatz von Ried seine "Aufbruch-Tour" durch Österreich. Diese Woche eröffnete der SPÖ-Bundeskanzler die Rieder Messe, nachdem der grüne Bundespräsident ausgerechnet zum 150-Jahr-Jubiläum abgesagt hatte. Am 13. September kommt Kern nach Braunau. Auf der Rieder Messe trat Kern im "Keine Sorgen-Saal" auf. Ob ihm die Ried-Reise Stimmen bringt, ist fraglich; der Aufsichtsratspräsident der Messe, ein Freiheitlicher, hat naturgemäß Zweifel.

Aber sicher ist, dass die Bundespolitiker begriffen haben, wo die meisten Wähler abzuholen wären – nicht in Wien. Von österreichweit 6,4 Millionen Wahlberechtigten sind "nur" 1,2 Millionen in der Bundeshauptstadt zu Hause. Schon Niederösterreich (1,3 Millionen) und Oberösterreich ( 1,1 Millionen) sind in Summe bedeutender.

In den ländlichen Regionen können Wahlen entschieden werden. Dieser Einfluss hat bei mehreren Gelegenheiten auch Fachleute überrascht. Donald Trump hatte seine wichtigsten Unterstützer im Mittleren Westen und Süden der USA. Für die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen stimmte vor allem das ländliche Frankreich. Für den Brexit waren die Bürger außerhalb von London.

Der Trend in diesen Ländern ist die indirekte Folge der Globalisierung. Das Wirtschaftswachstum konzentriert sich dort auf die Metropolen, das Land dünnt aus – ökonomisch und demographisch. Das beeinflusst das Lebensgefühl und das Wahlverhalten.

In Österreich ist das weniger ausgeprägt. Speziell das Innviertel ist eine Boom-Region mit starken Betrieben, qualifizierten Arbeitskräften, Wachstum, Wohlstand, Perspektiven. Um das hiesige Publikum zu überzeugen, müssen sich die Politiker anstrengen – nicht nur im Wahlkampf.

Hinweis: Am Donnerstag, 28. September, um 19.30 Uhr findet im Braunauer Kulturhaus Gugg die Diskussion der Innviertler Spitzenkandidaten statt. Die OÖNachrichten sind Mitveranstalter.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/unser-innviertel/Land-in-Sicht;art199347,2671319
© OÖNachrichten / Wimmer Medien · Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung
Bitte Javascript aktivieren!