25. August 2016 - 00:04 Uhr · Christoph Kotanko · Unser Innviertel

Kein Job um jeden Preis

Arbeit ist "das beste Mittel gegen Verzweiflung", meinte der lebenskluge englische Schriftsteller Arthur Conan Doyle. "Die Arbeit, sie erhält, die Arbeit, sie bewegt die Welt", heißt es im "Lied der Arbeit", der Hymne der Sozialdemokratie.

Arbeitslosigkeit ist fast immer ein Drama für die Betroffenen. Im Innviertel beträgt die Arbeitslosenquote derzeit im Bezirk Braunau 6,6 Prozent, in Schärding 4,8, in Ried 4,5 Prozent. In den letzten zwei Jahren war Braunau immer über dem Landesschnitt, Ried und Schärding waren darunter.

In den vergangenen Tagen wurde dieses Thema um eine Debatte über den Einsatz von Asylwerbern bzw. Asylberechtigten erweitert, Stichwort: "Ein-Euro-Jobs".

Solche kennen die deutschen Nachbarn seit Jahren. Langzeitarbeitslose, die keine reguläre Arbeit finden, erhalten gemeinnützige "Arbeitsgelegenheiten" und dafür pro Stunde ein bis zwei Euro, zusätzlich zum Arbeitslosengeld. Wer einen zumutbaren Job verweigert, muss Kürzungen hinnehmen. In Deutschland wird derzeit über Verschärfungen diskutiert.

Das scheint recht und billig zu sein. Es lässt sich argumentieren, dass jemand, den die Allgemeinheit unterstützt, eine Gegenleistung erbringt. Die Eingliederung in einen Arbeitsprozess ist nützlich. "Wer den ganzen Tag zu Hause herumsitzt, hat auch Tagesfreizeit, um auf blöde Ideen zu kommen": Für diese Aussage bekam Integrationsminister Kurz viel Beifall.

Unter bestimmten Umständen kann es für eine bestimmte Gruppe Ein-Euro-Jobs geben. Doch so einfach, wie es klingt, ist die Sache nicht. Die Schattenseiten eines dauerhaften Billiglohnsektors sind nicht zu übersehen.

Jobs um jeden Preis gefährden reguläre Arbeitsplätze und behindern die Vermittlung in normale Beschäftigungsverhältnisse. Nicht Taglöhnerei, sondern eine geregelte Arbeit muss das Ziel sein – egal, ob es um In- oder Ausländer geht.

Im Bezirk Braunau sind derzeit 1431 offene Stellen gemeldet, in Ried 875, in Schärding 235. Nicht alle sind Vollzeitstellen, die Teilzeit wächst stärker, zugleich gibt es den Austausch zwischen "alten" und "neuen" Beschäftigten.

Aber bei den freien Stellen muss man ansetzen. Beratung, Schulung, Leistungsbereitschaft auf beiden Seiten: Damit ist der Einstieg oder Wiedereinstieg zu schaffen.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/unser-innviertel/Kein-Job-um-jeden-Preis;art199347,2325554
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