30. März 2017 - 00:04 Uhr · Gerald Mandlbauer · Unser Innviertel

Innviertler Kuchlroas

Kulinarisch hat sich das Innviertel nicht mit dem Zeitgeist vermählt - und das ist gut so.

Es gibt Landstriche, die wollen über Gaumen und Magen erlebt und erobert werden. Das Innviertel ist diesbezüglich zurückhaltend, weil es sich dem Feinschmecker nicht fordernd und aufdringlich an den Hals wirft. Es hat sich, ganz wie es Landessitte ist, kulinarisch nicht mit dem Zeitgeist vermählt. Bis hinein in die Küchen bleibt das Innviertel sich selbst treu, mit Bratl, Stöcklkraut, Knödel, diversen Privatbiermarken. Welche Region kann das schon sonst von sich behaupten?

Meine Fixpunkte, als Bewohner des Zentralraums darf ich diese Meinung diplomatisch vertreten, verteilen sich auf alle drei Bezirke. Sie bedeuten für mich persönliches Fastenbrechen, wenn es im Innviertel in die Vollen geht. Zum Beispiel, als wir vor wenigen Monaten die Innviertler Redaktion nach einer Klausur zur Hebung der Motivation ins Kellerbräu geladen hatten. Dieses Meeting übrigens ist erfolgreich gewesen, die dabei besprochene Schwerpunktsetzung in Volkszeitung und Warte hat sich heute, ein paar Monate später, bewährt. Es kann auch am Bier gelegen sein, mit dem wir die geplante Neuerung begossen haben.

Das Rieder Kellerbräu, einer meiner Wallfahrtsorte, ist an diesem Wochentag gerammelt voll gewesen, auch das ist für mich Innviertel von seiner besten Seite. Die Innviertler sind weder Stubenhocker noch Menschenverweigerer, sondern Leute, die das Wirtshaus als verlängerten Arm ihres Wohnzimmers begreifen. Soweit meine persönliche Ferndiagnose. Wie es so ist mit solchen Verallgemeinerungen, gibt es für sie zwar auch jede Menge Gegenbeweise. Aber ich will mir mein Vorurteil über die kulinarische Standhaftigkeit des Innviertels bewahren, es gründet auf lang zurückreichende Erinnerungen. Begonnen hat diese kulinarische Roas mit dem leider seit Jahren geschlossenen Forstinger in Schärding, sie führte über Schnapsbrenner in Munderfing, Zwink in Aspach, zu Bauböck, Wirt z’Kraxenberg, Felx’n in Schildorn, Geinberger Aqarium, bis zu meinem aktuellen Favoriten, dem Wirt z’Winklham, eine Reise, die nie zu Ende geht. Ich werde immer wieder kommen. Stellt ein Bier kalt!

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/unser-innviertel/Innviertler-Kuchlroas;art199347,2525280
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