20. Juli 2017 - 00:04 Uhr · Roman Kloibhofer · Unser Innviertel

Entschleunigte Grüße

Nach einer überraschenden Erfahrung fühle ich mich noch mehr bestärkt, der Ansichtskarte treu zu bleiben

Ich liebe Ansichtskarten. Da bin ich altmodisch. Zwar verschicke ich von meinen Reisen auch digitale Bildergrüße – doch an die engsten Verwandten und ausgewählte Freunde sende ich noch immer einen Kartengruß per Post von meinen Reisen. Auch das ist eine Form der Entschleunigung und da trägt die Post wesentlich dazu bei. Das wird deutlich, wenn die Karten erst Wochen nach der Rückkehr von einer Reise eintrudeln.

Auch wenn auf unserer Postkarten-Leine daheim immer weniger Ansichtskarten hinzukommen, ich habe nicht vor, meiner Leidenschaft zum Kartenschreiben untreu zu werden. Was ich kürzlich auf einer Reise erlebt habe, hat mich in meiner Meinung bestärkt.

Es war im Fernen Südosten Asiens, in Macao, von wo ich an meine Liebsten Kartengrüße senden wollte. Das sollte sich als gar nicht so einfach herausstellen: Denn erst einmal war es eine Herausforderung, überhaupt Ansichtskarten zu bekommen.

Nun, es ist so, dass ich keiner bin, der sich bloß auf die "Herzliche Grüße aus...-Floskel" beschränkt. Nein. Ich erzähle gern kurze Geschichten. Das Kartenschreiben wird somit auch zum Ritual. Dieses sollte mit dem Erwerb von Briefmarken und dem darauf folgenden Einwurf der Karten in einen Briefkasten abgeschlossen werden. Auch das sollte sich spießen: Das Gesicht der jungen Rezeptionistin blieb nach meiner Frage: "Do you have stamps?" (Haben Sie Briefmarken?) zwar freundlich, sie machte aus ihrer Überforderung aber kein Hehl: "Stamps? Sorry, what do you mean?" (Briefmarken? Entschuldigung, was meinen Sie?) kam es von ihr zurück. Ich versuchte, ihr zu erklären, dass dies zum Versenden von Ansichtskarten notwendig sei. Auch mit diesem antiquierten Ausdruck hatte sie Probleme. Der Concierge löste schließlich das Problem, nahm meine Karten an, die nach drei Wochen entschleunigt tatsächlich in Österreich einlangten.

Ja, was Urlaubsgrüße betrifft, bin ich einer vom alten Schlag. Und das wird so bleiben. Und ich freue mich über jede Ansichtskarte, die bei mir eintrifft. Von wo auch immer! Auch aus dem Innviertel.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/unser-innviertel/Entschleunigte-Gruesse;art199347,2627847
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