04. Mai 2017 - 00:04 Uhr · Christoph Kotanko · Unser Innviertel

Die Mitte stärken

Historische Stadtkerne haben viele traditionelle Funktionen verloren – Neue Ideen sind gefragt

Walter Angonese ist ein südtiroler Architekt. Er arbeitete für das Landesdenkmalamt in Bozen und hat jetzt ein Architekturbüro in Kaltern. Sein Anliegen ist die Belebung historischer Stadtkerne.

Die kommunalen Auftraggeber (zuletzt war er in den bayrischen Städten Waldmünchen, Furth im Wald und Rötz am Werk) warnt er gleich vor seinen radikalen Ideen; er nennt sie "medizinische Strategie". Diese reicht von Umwidmungen über "Implantate" (Zubauten) bis zur Förderung von "Genusshotels" und der gehobenen Gastronomie.

Gegen Leerstände in Sockelzonen geht er radikal vor, "ein schönes Garagentor ist mir lieber als ein leeres Schaufenster."

Das sind provokante Aussagen, die viele Fragen aufwerfen und sicher nicht alle Probleme lösen. Aus der kompakten Stadt ist längst ein Fleckerlteppich geworden, der in alle Richtungen ausfranst.

Aber auch in den historischen Städten des Innviertels muss man sich auf neue Ideen einlassen. Leer stehende Ladenlokale, Abwanderung der Nahversorger vom Stadtplatz, vernachlässigte Altbauten, Wachstum nur mehr auf der grünen Wiese: Das sind Alarmzeichen, dass die alten Stadtkerne immer mehr traditionellen Funktionen einbüßen.

Die Innenstadt als symbolische Mitte und Lebensraum ist zunehmend gefährdet.

Abhilfe verspricht der Austausch von Erfahrungen im In- und Ausland ("best practice"), regionale Kooperation und Eigeninitiative. Das Rieder Unternehmens- und Innenstadt-Förderungsprogramm "STartUP Ried" ist ein solcher guter Ansatz.

Die Zukunft liegt in der gelungenen Mischung von urbanem Wohnen, kommerziellen Angeboten, Kultur und Freizeitaktivitäten. Das muss sich natürlich auch rechnen. Aus Idealismus kommt kein Investor.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/unser-innviertel/Die-Mitte-staerken;art199347,2557087
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